Wir sind unterernährt an Fürsorge
Shownotes
Kati begleitet nicht nur gemeinsam mit Adriaan die Retreats – hinter ihnen liegen 14 Jahre Beziehung. Ein Weg, der sie geschliffen hat wie einen Rohdiamanten – hin zu mehr Tiefe, Wahrheit und innerer Weite.
In diesem Gespräch spricht Kati ehrlich und berührbar über Schmerz, über das Gefühl, nicht gesehen zu werden, und darüber, wie daraus etwas Neues entstehen kann.
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00:00:01: letzten 14 Jahre gelernt über Beziehung? Oh Gott, Beziehung braucht viel Freiraum, viel Geduld. Das
00:00:14: eigene Wesen sich selbst bewahrend da sein lassen und das Wesen des anderen da sein lassen.
00:00:22: Und das kann bedeuten, dass man, obwohl man in Beziehung sehr miteinander verbunden ist, ganz
00:00:31: eigene Wege geht. Und diesen Raum zu geben, diesen Freiraum zu geben, dass wirklich jeder
00:00:40: sich in dieser Beziehung entfalten kann, das lernen wir. Das lernen wir seit 14 Jahren.
00:00:49: Wie war für dich der Weg dahin? Schwer. Sehr, sehr schwer. Sehr, sehr steinig.
00:00:57: Sehr hart. Sehr schmerzhaft. Jetzt merke ich, wie die Tränen aufsteigen,
00:01:03: weil diese letzten 14 Jahre mich echt geschliffen haben.
00:01:11: Und irgendein Mensch, der meine große Bedeutung auch hatte in meinem Leben,
00:01:15: der hat mal zu mir gesagt, Kathi, du bist ein Rohdiamant. Und ich glaube, dass wir alle
00:01:21: Rohdiamanten sind und dass das Leben uns durch die Partnerschaften, in die wir gehen, dass es
00:01:30: uns einfach schleift. Und ich merke immer mehr, wie tatsächlich wirklich das Funkeln entsteht.
00:01:43: Das geschieht, wenn man sich in dieses Reiben, in den Schmerz, in das Leidvolle,
00:01:52: in das Alte, was in Beziehungen, die wirklich auf einer großen Ähnlichkeit beruhen,
00:01:59: was automatisch zutage tritt. Das Alte tritt zutage, das, was mit der Beziehung in dem
00:02:08: Sinne nichts zu tun hat. Aber in der Beziehung berührt wird, tief berührt wird und so wehtut.
00:02:20: Und wo wir schnell die Neigung dazu haben, dem Anderen die Schuld zu geben und das zu lernen,
00:02:26: zu trennen, was ist Alt und was geschieht wirklich jetzt durch uns beide und was berührt nur einen
00:02:31: alten Schmerz, nur in Anführungsstrichen. Ja, auf diesen Weg sich zu begeben, in so einer tiefen
00:02:39: Beziehung, wie wir sie miteinander haben, wenn auch auf nicht konventionelle Weise mehr. Ja,
00:02:48: das waren die letzten 14 Jahre oder die letzten Jahre, die 14 Jahre, die jetzt hinter uns liegen.
00:02:54: Sind es schon 14? Ich weiß das immer nicht. Ariane ist bei uns derjenige,
00:02:59: der immer die Beziehungsdaten im Blick hat. Ich weiß die nicht.
00:03:03: Ich bin oft so zeitlos geworden durch die lange, wie passende Praxis,
00:03:08: dass sich Daten und Zeiträume auflösen und in so eine Gleichzeitigkeit verschwimmen. Wer
00:03:22: ist vor 14 Jahren in diese Beziehung eingegangen? Eingegangen? Also, wer ist in die
00:03:28: Beziehung gekommen? Ja, in die Beziehung gekommen. Gerade die vorher.
00:03:38: Eine Frau mit zwei Seiten. Ja, eine vermeintlich äußerlich recht,
00:03:44: also so habe ich mich wahrgenommen, recht starke Frau, äußerlich sehr selbstbewusst. Ich
00:03:52: sage immer, hohe Absatzschuhe, Jeans, Männerhemd, gestreift, Lederjacke.
00:04:00: Langes lockiges Haar, rot gefärbt, so der Hingucker, wenn jemand irgendwo ging. Ja,
00:04:12: vermeintlich sehr selbstbewusst, in gewisser Weise antrainiert,
00:04:17: auch ehrgeizig und zugleich unten drunter,
00:04:21: extrem zart, extrem sensibel, verletzlich, verletzt, sehr verletzt aus einer vorherigen
00:04:33: Beziehung, die mich tief geschnitten hat und die lange Zeit brauchte, um aus mir herauszuziehen und
00:04:51: die unsere Beziehung, unser beider Beziehung, sehr geprägt hat und beziehungsweise sehr
00:04:59: überschattet hat. In meiner Wahrnehmung, in meinem Dasein, in dem, was ich sehe,
00:05:07: das war alles sehr stark gefärbt von Dunkelheit und ich bin in dieser vorherigen Beziehung
00:05:13: wirklich aus der Dunkelheit gekommen, so würde ich sagen, heute und mein damaliger Beziehungspartner
00:05:22: sagte irgendwann zu mir, Kati, ich habe dich in die Dunkelheit verschleppt und ich suche das
00:05:28: Fenster, wo ich dich wieder herausheben kann in das Licht, weil du bist als lichter Mensch in mein
00:05:35: Leben getreten und da ist sehr viel Wahrheit drin, in dieser Aussage, weil ich sehr viel erkenne und
00:05:41: sehr viel auch liebe, sofern dieser Mensch dazu in der Lage war und gleichzeitig auch eine
00:05:51: Überhöhung, ja und gleichzeitig beschreibt es das sehr gut, wie ich in unsere Beziehung gekommen
00:05:58: bin und der Anschein war sehr stark, aber dahinter verbarg sich eine tiefe Verletztheit.
00:06:09: Ja, diese zwei Seiten und ich würde wirklich sagen, es waren zwei Katis in einer Person und
00:06:18: durch unsere Zeit miteinander, durch deine unendliche Geduld, durch meine Praxis, durch
00:06:31: die Meditation, durch meine Yoga-Praxis, ja, bin ich immer mehr in die Helligkeit zurückgefunden
00:06:48: und darüber hinaus, weit darüber hinaus, zu dem was vorher war und heute würde ich sagen, hier
00:06:56: sitzt eine Kati, die ganz viel Unterschiedlichkeit in sich trägt, von der Menschen viele Jahre gesagt
00:07:08: haben, sie sei ein Engel, was auch stimmt, aber ich trage auch die Dunkelheit in mir, aber auf
00:07:16: eine Weise, die, ja, die alles umarmen kann, also in mir alle Seiten, alle Facetten, alle, ja, alle
00:07:33: Seiten und es fühlt sich eins an, es fühlt sich ganz an oder immer ganz her, sagen wir es mal so,
00:07:40: ich weiß nicht, was dann auch alles auf mich wartet, aber es fühlt sich immer ganz an und
00:07:48: was ich in den letzten Jahren und dafür bin ich dir unendlich dankbar, für diesen Raum,
00:07:54: der es möglich gemacht hat, was ich wirklich immer mehr leben darf, ist diese unglaubliche Zartheit,
00:08:02: die mich ausmacht, also eine große Empfindsamkeit und dank deines Schutzes in den Jahren auch,
00:08:16: durfte ich das immer mehr als stärker erfahren und es war so beschützt durch dich, dass das
00:08:24: in Ruhe wachsen konnte, dass das in Ruhe heilen konnte, ich mag dieses Wort eigentlich nicht, das
00:08:31: wird heutzutage so inflationär gebraucht, aber das konnte so reifen in mir, so beschützt, dass
00:08:42: es sich zu einer Stärke entwickelt hat, die, so meine ich, auch für andere fühl- und sichtbar
00:08:50: ist, dass das alles gleichzeitig da ist, eine kraftvolle Empfindsamkeit und Sensibilität,
00:08:59: die nicht mehr wegducken muss und sich nicht, weil es Schmerzpunkte sind, schützen muss,
00:09:07: sondern die ist einfach da, so und, ja, so. Es sind noch andere Wörter, aber kann ich gerade
00:09:19: nicht umfassen, ja. Du sprichst von Zwei-Katis, ist es mit zwei gesagt oder war da noch mehr? Also
00:09:29: ich würde jetzt so spontan, würde ich wirklich sagen Zwei-Katis, ja.
00:09:34: Es gab die vermeintlich schwache und die vermeintlich starke oder sagen wir mal drei,
00:09:41: die sehr, sehr verletzte. Ich glaube, das umschließt beide, das umschließt die schwache,
00:09:45: die starke, dass es eigentlich eine große Verletztheit war, eine große Verletztheit,
00:09:51: einfach durch meine Geschichte auch, durch mein Leben, durch Partnerschaften, so wie ich in die
00:09:58: Welt gekommen bin. Ja, ich bin in der DDR geboren und in der DDR war es normal, dass man Kinder nach
00:10:05: der Geburt, ja, von ihrer Mutter wegnimmt und dass sie zurückgegeben werden, nur zum Füttern.
00:10:13: Und es war auch normal, dass man mit drei Monaten in die Kindergrippe kam. Und was man
00:10:20: heute alles weiß über Entwicklungs- und Bindungstrauma ist es so, der große,
00:10:27: ich nenne es jetzt mal Töter, das ist ein großes Töten von Kinderseelen, was da passiert.
00:10:34: Und damit habe ich mein Leben lang zu tun gehabt und konnte mir das gar nicht erklären,
00:10:40: was mit mir ist und warum es diese Lebensmüdigkeit in mir gibt und dieses, ja, auch in jungen Jahren,
00:10:52: gerade auch in jungen Jahren, dieses Gefühl nicht dazu zu gehören.
00:10:55: Und ja, aus heutiger Sicht würde ich sagen, ich bin schon immer meinen eigenen Weg gegangen. Ich
00:11:03: habe viele Dinge einfach nicht mitgemacht und habe auch dadurch nicht zugehört, dazu gehört.
00:11:09: Es war mir nicht wichtig zu rauchen, es war mir nicht wichtig zu trinken,
00:11:12: es war mir nicht wichtig Sex mit irgendwelchen Menschen zu haben.
00:11:16: Da habe ich nicht mitgemacht, nicht dazu gehört. Aber es ist
00:11:21: auch ein Teil des Nicht-Dazugehörens gewesen in meinen vielen Lebensjahren,
00:11:27: weil ich eben in der Ecke saß und ein Buch las oder stickte. Ich saß da und stickte.
00:11:37: Und ich denke, diese Stille, die dem Ganzen auch innewohnt, das ist auch ein Teil einer,
00:11:44: ich nenne es jetzt mal Verletztenstille, aufgrund dieser sehr frühen Erfahrung von Trennung,
00:11:53: die sehr krass ist, wenn man aus dem Mutterbauch kommt, so behütet und warm und geborgen und in
00:12:00: der Dunkelheit aufbewahrt und beschützt und dann in diese Welt gepresst wird, in das Licht kommt,
00:12:09: das Vermeindliche und dann Getrenntes von der Mutter. Und ich glaube, diese Stille in mir,
00:12:19: die es lange Zeit gab, die hatte auch diese Verletzung in sich. Und inzwischen hat sich
00:12:27: diese Stille verwandelt und wird immer mehr wie so ein ruhender See, wie so ein ganz ruhiger See,
00:12:43: der auch auffallen kann, aber auch unten drunter gibt es immer noch Stille.
00:12:48: Und ich würde fast sagen, inzwischen, ich lebe in der Stille, wir leben in Stille. Also unsere
00:12:54: ganze Welt hat eine Form von Stille, in die die Menschen hineingesetzt sind, in die die Häuser
00:13:02: hineingesetzt sind. Aber ich bin immer öfter in diesem dauernden Dasein von, die Welt hat ihre
00:13:12: atmende Stille und darin ist diese Bewegtheit der Menschen und auch diese Überbewegtheit.
00:13:19: Und einerseits das Lebendige, ja, also das ist auch so eine lebendige Stille
00:13:26: und andererseits ist es eben auch für viele Menschen auch eine zu große Schnelligkeit in
00:13:33: dieser Welt, ein zu viel. Wann hast du gemerkt, dass unsere Beziehung schwierig wird? Oh, das ist
00:13:45: jetzt eine sehr schwierige Frage. Also ich weiß gar nicht, ob mir die zu intim ist, so öffentlich.
00:13:55: Ich merke, du willst auf Beziehung hinaus. Okay, jetzt muss ich mich erst mal konzentrieren,
00:14:02: ob ich diese Frage so öffentlich beantworten möchte. Ja, kann ich dir sagen.
00:14:11: Doch, möchte ich auch öffentlich beantworten, aber überlege gut, welche Fragen du mir stellst.
00:14:17: Aber ich kann auch sagen, wenn ich was nicht beantworten möchte.
00:14:22: Das war der Moment, als ich gemerkt habe, wie sehr du deine Liebe verschenkst.
00:14:30: Und ich, also ich, ich hänge, mein Herz hängt an Feinheiten, an leisesten,
00:14:43: feinen Aufmerksamkeiten. Die bedeuten mir unendlich viel. Und als ich gemerkt habe,
00:14:53: dass diese Feinheiten dein Standard sind, mit allen Menschen, da habe ich gemerkt,
00:15:01: das wird unglaublich schwierig für mich, weil ich konnte das nicht trennen, unsere, unsere
00:15:09: persönliche Beziehung, unser Miteinander vor dem, was ich Menschenliebe jetzt nenne.
00:15:17: Ich konnte das nicht. Ich konnte nicht mehr sehen, wo ist die Exklusivität, wo ist das,
00:15:23: was nur uns beide ausmacht und wo spielt es rein in den Raum, den man mit allen teilt.
00:15:30: Und das ist etwas, was ich wirklich ganz schwer in diesen 14 Jahren, unter wirklich
00:15:36: unendlichen Schmerzen gelernt habe, wirklich erfahren habe.
00:15:41: Und da kriege ich gerade auch in den letzten Jahren, bedingt auch nochmal durch andere
00:15:46: Einflüsse, dieser Raum geöffnet hat in die Menschenliebe, die das alles beinhaltet und
00:15:56: die diese Feinheit auch beinhaltet, mit jedem Menschen beinhalten kann. Aber ich
00:16:02: weiß genau an dem Punkt, als ich das gemerkt habe im Rahmen also unseres Zusammenkommens,
00:16:09: das hat mir fast die Luft genommen. So, ich konnte fast nicht mehr weiter atmen.
00:16:13: So gestresst hat mich das. Und so tief erfasst hat mich das in einem Gefühl
00:16:20: von, ich bin nicht besonders. Das habe ich damit verbunden.
00:16:25: Ich bin nichts Besonderes für dich. Und ich wollte etwas ganz Besonderes sein. Ja.
00:16:33: Ich erinnere mich, dass ich, irgendwann habe ich dir gesagt,
00:16:38: ich sehe jede Frau in dir. Und für mich war das ein ganz tiefes Liebesbekenntnis. Ja.
00:16:49: Und ich habe gesehen, in dir war das ein, da brach eine Welt zusammen. Ja,
00:16:54: da brach eine Welt zusammen. Und heute kann ich diesen Satz so fühlen.
00:17:01: Und ich kann so fühlen, was er bedeutet hat in seiner Größe und in seiner Weite und in
00:17:08: seiner Tiefe. Heute, 14 Jahre später. Aber damals brach wirklich eine Welt zusammen.
00:17:15: Ich konnte das überhaupt nicht berühren. Es war einfach nur purer Schmerz,
00:17:21: als du das zu mir gesagt hast. Und ein so großer Zweifel.
00:17:27: Und heute kann ich diesen Satz eben so sagen. So, und da bin ich hingereift,
00:17:35: hingewachsen durch all die schweren schleifenden Steine hindurch. Ja.
00:17:45: Ja, du hast damals gesagt, ich liebe in dir alle
00:17:48: Frauen. Das war dein Satz. Wie ein Messer in mein Herz.
00:17:56: Ja. Im Nachhinein ist das, wenn du bei diesem Bild von diesen Diamanten bist, die
00:18:07: du am Schleifen bist, am Schneiden bist. Ich schneide denen nicht, das Leben schneidet nicht.
00:18:13: Das Leben schneidet. Ich mache das nicht. Freiwillig würde ich das nicht suchen.
00:18:18: Ich mache es auch nicht. Was sind die anderen großen Stücken,
00:18:30: die abgebrochen sind? Also ein wirklich ganz großes Stück ist
00:18:37: das Besondersseinwollen. Und das ist gerade in den letzten fünf Jahren auch passiert.
00:18:47: Ich habe es irgendwann realisiert, dass ich immer noch besonders sein möchte,
00:18:52: aus Angst übersehen zu werden. Das ist die Angst dahinter gewesen. Also ich
00:18:58: habe lange gebraucht, bis ich das realisiert habe.
00:19:01: Und der Hintergrund ist, also ich habe zwei Brüder, Jünger und Älter. Und das war
00:19:07: nicht so leicht. Also ja, meine Eltern hatten eine herausfordernde Situation mit uns dreien.
00:19:15: Und ich war diejenige, mit der es leicht ging. Und ich habe auch irgendwann diese Rolle angenommen,
00:19:23: dass es mit mir leicht geht und dass ich es allen leicht mache. Und meine Lebensrettung war,
00:19:31: um nicht unterzugehen darin, in diesem mit Kathi ist alles leicht oder meist leicht,
00:19:37: war die Suche nach der Besonderheit, in irgendeiner Form besonders zu sein.
00:19:43: Und es hat auch sehr meinen Wortschatz geprägt. Also ich habe oft das Wort besonders und das ist
00:19:48: sehr speziell, habe ich immer benutzt dieses Wort, bis das irgendwann völlig klar geworden ist, dass
00:19:55: das so ist, dass ich darüber auch das Innere ins Äußere bringe. Und ich habe dieses Wort gemarkert.
00:20:04: Ich habe angefangen dieses Wort immer zu bemerken, wenn ich es benutzen will. Und
00:20:10: das hat noch mehr dazu geführt, dass ich mich raus bewegt habe aus diesem, ich möchte besonders sein.
00:20:18: Und um wahrgenommen zu werden und auch zu sehen, was für eine große Not dahinter war.
00:20:24: Und mit dieser Not und mit dieser Traurigkeit des Übersehen zu werden, zu sein. Und die ist mir
00:20:32: ja auch hier in Vipassana wieder begegnet. Also ich bin ja in einer tiefen Verbindung mit dir,
00:20:40: als jemand, der eine sehr große Präsenz hat, der, ich sage immer so spielerisch zwischen uns,
00:20:46: ja, Arian ist bei uns die Rampensau und ich bin so die Zurückgenommene.
00:20:51: Das heißt, mir ist genau das Gleiche wieder begegnet. Arian wurde aus meiner
00:20:56: Sicht sehr wahrgenommen. Und ich war die Stille und Leise im Hintergrund.
00:21:02: Und es hat natürlich meinen Schmerz nochmal befeuert. Und es hat es mich nochmal in diese
00:21:08: Mühle gegeben, des Zerreibens von, ich werde nicht wahrgenommen, was nur bedingt stimmte,
00:21:14: ja. Und es stimmt natürlich auch nur bedingt für meine, für meine Geschichte, so.
00:21:20: Und jetzt habe ich ein Faden verloren. Warte kurz. Ja, das Besonderssein.
00:21:29: Also das ist im Laufe der Jahre immer mehr zurückgetreten und es ist in einen
00:21:34: Frieden gekommen von, ich bin einfach da. Und es ist gereift in ein, dass dieses Dasein reicht
00:21:48: und dass ich im richtigen Moment sehr nach vorne gehe und dann wirklich klar da bin und
00:21:57: in anderen Zeiten in der Zurückhaltung bin. Aber nicht ich halte mich zurück, sondern es ist eine
00:22:05: Stimmigkeit von, es hat auch da was Ruhendes und da ist so eine tiefe Zufriedenheit drin.
00:22:13: Da ist eine tiefe Zufriedenheit und ein, mich zu Hause fühlen, mich wohlfühlen. Und
00:22:19: ich weiß inzwischen, dass die Momente, wo ich nach vorne gehe, die sind dann total stimmig
00:22:24: und da lasse ich mich auch nicht aufhalten. So und ansonsten geht es mir dann auch gut so.
00:22:31: Ja, geht es mir dann auch gut so. Und das ist etwas, was groß als Brocken abgefallen ist,
00:22:36: besonders sein zu müssen. Und gleichzeitig, und da habe ich den Satz einer, einer bei uns
00:22:43: Übenden auch übernommen, die hat, also viele von uns haben dieses Thema ja und sie sagte
00:22:48: irgendwann, sie hat festgestellt, dass jeder Mensch besonders ist.
00:22:54: Und das ist so und das hat sich in mir so, inzwischen so, es ist fast wie so
00:23:01: eine Geburt aus meinem Herz heraus zu spüren, wie besonders es ist, dass wir alle geboren
00:23:10: worden sind. Und dass wir alle den Mut haben, dieses total verrückte Leben hier zu leben. So
00:23:19: und ich merke, wie das immer mehr in Begegnung mit Menschen auch wirkt.
00:23:27: Wie das so rauswächst aus meinem Herz, so als, als etwas, was wirklich,
00:23:35: was eine Wahrheit ist. So, dass wir alle diesen Mut haben, hier zu leben. Egal,
00:23:41: wo wir leben und egal, ja egal, in welches Leben wir gestellt sind.
00:23:48: Und es ist ein großes Glück, dass ich in Deutschland geboren bin und hier
00:23:52: geboren bin und so leben darf, wie ich lebe. Es hätte auf jedem anderen der Punkt der Welt
00:23:58: ganz anders sein können und ich hätte mit ganz anderen Handlungen konfrontiert sein können,
00:24:04: mit denen ich hätte leben müssen. Und trotzdem oder dennoch denke ich,
00:24:09: dass jeder Mensch unglaublich viel Mut hat, der hier lebt.
00:24:12: So, ja und jetzt habe ich wieder den Faden verloren,
00:24:16: aber du hast ihn. Ja genau, der Mut nach vorne zu treten im richtigen Moment,
00:24:23: der ist einfach, es braucht gar keinen Mut mehr, das ist eine Selbstverständlichkeit
00:24:27: geworden. Und ansonsten fühle ich mich wohl in dieser, einfach so da zu sein.
00:24:37: Ja, ich fühle mich wohl damit. Ganz am Anfang sehe ich diese
00:24:43: Yogini mit diesen zwei Seiten und ganz früh in unserer Beziehung, ich habe eine junge Lehrerin
00:24:55: Weiterbildung gegeben und du warst mit dabei und ich habe dich gefragt, um ein bisschen enger Yoga
00:25:04: mit der Gruppe zu machen. Und du hast da deine erste Yoga-Stunde gegeben und meiner Meinung
00:25:13: nach eine wirklich vielversprechende, 1A authentische, wirklich passende Stunde.
00:25:24: Wir fahren von dort weg, noch am gleichen Tag und werden angerufen von einem Teilnehmer
00:25:29: mit der Frage, Adrian, kann Kathi bei mir in der Yoga-Studio unterrichten?
00:25:36: Die Schwangeren. Die Schwangeren unterrichten. Das ist sehr wesentlich.
00:25:44: Und das hast du nicht gemacht und du hast von dort lange, lange Jahre gebraucht, bevor du dich wieder
00:25:55: getraut hast, eine Yoga-Stunde zu geben. Was hat dich da so lange zurückgehalten?
00:26:06: Also zwei Aspekte, gerade zu dieser Nachfrage, kann ich Kathi bei uns die
00:26:12: Schwangeren unterrichten. Der eine Punkt, aber nicht vordergründig, war der Aspekt Schwangere.
00:26:21: Ich selber hatte fünf Fehlgeburten. Ich weiß, wie es ist, schwanger zu
00:26:27: sein. Ich weiß auch, wie es ist, zu gebären.
00:26:34: Aber ich weiß nicht, was es bedeutet, durch den gesamten Zeitraum einer Schwangerschaft
00:26:39: zu gehen. Das als erstes. Und das war oder wäre eine zu große Konfrontation mit meinem
00:26:47: damals noch ausklingenden Schmerz gewesen, nämlich die Entscheidung getroffen zu haben, es reicht.
00:26:57: Das Leid war genug, was ich mit dem Wunsch nach Kindern in mein Leben geholt habe. Und ja, dieser
00:27:05: Schmerz klang aus und ich war nicht bereit für diese Konfrontation Schwangere zu unterrichten.
00:27:12: Der andere Punkt war, dass ich ja schon sehr lange Iyengar-Yoga übte und praktizierte.
00:27:20: Ein sehr spezieller, oder wie sage ich es,
00:27:25: ein bestimmter Yogastil. Und dieses Yoga ist eingebunden in eine sehr intensive Ausbildung.
00:27:34: Also die Grundausbildung umfasste für mich, die begann ich 2018.
00:27:39: Diese Anfrage kam 2012 oder 2013.
00:27:45: Diese Ausbildung umfasste 1600 Stunden als Grundausbildung. Also da stieg man ein.
00:27:52: Und das war die erste Prüfung von, man kann bis zu 13 oder 14 Prüfungen machen, konnte man im
00:27:59: Iyengar-Yoga. Und das lief dann über Jahre oder Jahrzehnte, so dieser Entwicklungsweg.
00:28:06: Und das machte, dass ich so einen großen Respekt hatte vor dem vermittelten Wissen,
00:28:12: was ich hinter meinem Erfahrungsüben eigentlich verbarg, dass ich mir das nicht zutraute,
00:28:21: weil ich war zwar eine gute Übende und ich war in dem Raum, den du aufmachtest
00:28:27: im Rahmen dieser Yogastunde, die ich da gab, fühlte ich mich auch sicher.
00:28:33: Aber ich fühlte mich nicht sicher und auch nicht autorisiert Iyengar-Yoga zu unterrichten,
00:28:39: obwohl ich darin nicht ausgebildet bin. Ich war nur eine sehr gute Übende - was
00:28:44: natürlich eine sehr gute Voraussetzung ist, um überhaupt Lehrerin zu werden,
00:28:48: dass man sehr sehr gut übt. Ja und das wer der Punkt und dann kam noch der Aspekt hinzu,
00:28:58: ich hatte lange Scheu vor Gruppen zu treten, mit Gruppen zu sein, in denen du auch warst,
00:29:06: weil ich dich automatisch immer höher gestellt hab als mich.
00:29:11: Du als Novize von Thich Nhat Hanh und mit deinen vielen Jahren in
00:29:15: irgendwelchen Zentren von Thich Nhat Hanh, ja. Und ich war das ja
00:29:18: gerade alles am Entdecken. Ich übte seit 2005 Iyengar-Yoga, seit 2008 Vipassana.
00:29:25: Und 2011 beziehungsweise 2012 sind wir uns begegnet und diesen Erfahrungsschatz, den
00:29:31: ich hatte, der kam mir so klein vor. Der reichte für mich nicht. Das fühlte sich nicht stimmig an.
00:29:38: Ich hätte mich verlogen gefunden. So gerade, ich habe gerade was gelernt und jetzt gehe ich
00:29:44: damit raus und erzähle aller Welt, wie es funktioniert. Ja, das bin ich nicht.
00:29:48: Ich brauche Jahre. Dinge sinken jahrelang in mich ein. Und es muss, also das merke ich immer wieder,
00:29:55: für mich ist es dann richtig, wenn ich spüre, es ist in jede Zelle gesickert.
00:30:01: Und jede Zelle lebt das, was ich irgendwann gelernt habe,
00:30:06: ja. Und wenn es rein geregnet ist in jede Zelle, dann kommt es von selbst
00:30:10: und es braucht. Es war inzwischen, bin ich auch damit in Frieden, bei mir braucht alles Zeit.
00:30:16: Ich bin so eine ganz, ganz, ganz langsame in den Dingen, merke aber,
00:30:21: wenn es dann kommt, ist es gut. Und es fühlt sich dann auch richtig an,
00:30:25: auch wenn ich, heute habe ich immer noch vor jeder Yoga-Stunde, die ich gebe,
00:30:28: habe ich eine Grundaufregung, ja. Und jede Stunde, jede Yoga-Stunde ist neu wie eine kleine Geburt.
00:30:35: Und ich finde das auch gut. Es gibt so einen Satz, den mag ich
00:30:41: sehr. Routine ist schädlich, aber das Handwerk sollte man beherrschen.
00:30:44: Und ich beherrsche das Handwerk und ich denke auch sehr gut. Und diese kleine Aufregung,
00:30:51: die ich jedes Mal vorher habe, das bricht mit der Routine. Und
00:30:54: das macht es dann jedes Mal wieder neu, ganz lebendig und sehr bewusst.
00:31:01: Also es hält mich auch wach, diese kleine Aufregung, ja. Es hält mich wach,
00:31:07: ja. Ein langes Hineingleiten in das Yoga-Lehrerinnen-Dasein.
00:31:11: Bis jetzt viele Jahre weiter. Ja. Was sind jetzt
00:31:18: die Feinschliff-Prozesse? Wo wird Kathi feingeschliffen? Ja.
00:31:24: Poliert. Poliert, gerade ganz aktuell kann ich das sagen. Also
00:31:35: ungefähr seit einem halben Jahr erfahre ich eine so
00:31:40: große Beglückung und eine Friedlichkeit und eine Dankbarkeit, wenn ich laufe.
00:31:56: Ich habe eine solche Freude am Laufen, einfach am Gehen. Über die Straße gehen, auf den Boden gehen,
00:32:03: auf der Erde gehen. Und am Anfang habe ich kurz gedacht, darf das reichen? Muss es nicht mehr
00:32:13: sein? Und ich merke, das sind so ganz subtile Prozesse von Gestatten, dass das reichen darf.
00:32:24: Dass es nichts Großes sein muss. Da habe ich keine Worte für. Und ich merke, wie ich,
00:32:39: also gerade jetzt ganz aktuell, also ich habe irgendwann dieses Bild für mich geboren.
00:32:46: Ich habe da so tief reingespürt. Wie fühle ich mich? Was ist da? Also ich fühle mich
00:32:55: wie ein Baum, der steht. Also ich stehe auch wirklich gerne.
00:33:00: Ich habe früher nicht gerne gestanden, weil ich keine Kraft in den Beinen hatte. Es fiel
00:33:04: mir schwer zu stehen. Aber inzwischen kann ich stehen.
00:33:07: Ich kann wirklich eine Stunde lang stehen. Einfach auf der Stelle stehen
00:33:10: und stehen. Und ich fühle mich wie ein Baum, der wirklich so ganz erfüllt ist.
00:33:16: Und ich liebe Bäume im Winter. Also immer zu jeder Zeit. Ja, es gibt keinen Unterschied.
00:33:21: Aber im Winter, wenn sie ihre Blätter abgeworfen haben und dann nur noch dieses Skelett steht und
00:33:26: du den Baum in seinem innersten Äußeren sehen kannst. Und ich liebe Bäume und
00:33:34: ich schaue diese Bäume an. Und ich befinde mich vorne, wenn sich das Geäst so aufästet.
00:33:40: Ich befinde mich vorne an dieser Zweigspitze. Und ich
00:33:45: stehe auf dieser Zweigspitze. Ich stehe mit weit geöffneten Armen.
00:33:51: Und ich stehe dort. Und ich bin immer öfter an so einem Punkt von Verschmelzung. Dass
00:33:58: ich verschmolzen bin zwischen, also ich sage jetzt mal zwischen innen und außen.
00:34:04: Und es gibt Momente, da verliere ich den Halt in den Füßen. Und gerade in
00:34:16: der letzten Woche gab es so einen ganz starken Moment von ich stürze,
00:34:20: ich stürze hinein. Und es hat was sehr Auflösendes und was sehr Befreiendes.
00:34:37: Und mehr kann ich es gerade noch nicht ausführen. Und ich merke,
00:34:41: wie ich dann die Bezogenheit in die Dinge verliere. Wie es was ganz Großes bekommt.
00:34:49: Wie das Persönliche weggeht. Und da ist immer noch Angst dabei. Und wie ich dann suche danach,
00:34:59: dass das Persönliche wieder Teil des Ganzen wird.
00:35:03: Ich kann es nicht besser erklären. Und das ist so ein Ringen um die Gleichzeitigkeit
00:35:13: von Materie und Geist, würde ich jetzt sagen. Vergeistigung.
00:35:17: Und es ist so ein Ringen in mir. Und irgendwas passiert da,
00:35:23: aber ich weiß noch nicht was. Da bin ich mittendrin.
00:35:25: Und inzwischen sind es so ganz feine, subtile Prozesse geworden. Es ist nicht
00:35:32: mehr das große Drama. Es ist nicht mehr das große Drama.
00:35:35: Und gleichzeitig kenne ich natürlich auch meine Unsicherheiten. Und Arian
00:35:39: will was von mir. Ich sage immer erst mal sowieso immer nein.
00:35:43: Ich könnte ja auch mal ja sagen, wenn er was von mir will. Und dahinter ist
00:35:46: ja auch immer wieder eine Angst. Das sind die großen Dinge, das sind die groben Dinge.
00:35:50: Aber da ist gar nicht so sehr mein Interesse. Mein Interesse ist bei
00:35:53: diesen ganz feinen, subtilen Dingen. Weil ich festgestellt habe über die vielen Jahre,
00:36:01: in diesen feinen Dingen, für die ich einfach auch sehr offen bin.
00:36:06: In diesen feinen Dingen zeigt sich das Große. Und wenn ich dieses Feine durchlebe, durchdringe,
00:36:15: damit sein kann, verstehe ich auch das Große. Bei anderen Menschen ist der Weg anders.
00:36:21: Die brauchen das Große, das Ausufernde, das Weite. Um das Kleine zu verstehen,
00:36:25: um dahin zu gelangen. Bei mir ist der Weg vom Kleinen ins Große.
00:36:30: Und da bin ich dran. Und weil das spielt auch dann wieder zurück. Arian kommt,
00:36:37: will was von mir und ich sage immer erst mal nein.
00:36:39: Und immer öfter kommt es dazu, dass ich sage, ja okay, was meinst du,
00:36:44: lass uns mal gucken. Also es spielt dorthin zurück. Das sind ganz subtile Prozesse.
00:36:53: Ja, ganz feine, subtile Prozesse. Du siehst dich mehr im Zweierumgang als Gruppengegenüber. Dein
00:37:01: Wirkungsfeld ist unter anderem, dass du in dein Reich in Dresden einlädst.
00:37:15: Dass Menschen da Wochenende, wir sind schon eine Woche bei dir sein. Ich fand damals,
00:37:25: als das Idee so anfing zu reifen, dieses Begriff Frauenzeit, das hat mich sehr
00:37:33: berührt. Was war dein Prozess dahin und was ist das jetzt? Was machst du
00:37:51: da? Also Frauenzeit.
00:37:53: Frauenzeit als Wort, es ist wirklich so eine Wortschöpfung von mir. Ich mag es, ich mag,
00:37:59: ich liebe Wortverdichtung, wo ich mit wenig Worten ganz viel sage. Und Frauenzeit ist etwas,
00:38:07: was ich geboren habe, um die Zeit zu beschreiben, die ich für mich brauche, nur mit mir.
00:38:17: In einer tiefen, innigen Verbindung mit mir, also so ganz mich auszufüllen. Und
00:38:24: das war früher als besondere Zeit die Zeit der monatlichen Blutung. Ich habe hier auch oft in
00:38:32: den Retreats erlebt, dass dann Frauen sehr böse mit sich werden oder sehr hart mit sich werden.
00:38:37: Ja, jetzt bin ich hier im Retreat und jetzt kriege ich auch noch meine Tage und was für
00:38:40: eine Scheiße. Und ich sage dann immer, kurz durchatmen, dem lieben Gott danken
00:38:47: oder wem auch immer. Lehn dich zurück, das ist die beste Zeit der Meditation.
00:38:53: Alle Zellen sind geöffnet, der Körper ist geöffnet. Und es ist ein natürliches Einsinken
00:38:59: hinein in die Stille und in eine Weite, die wir sonst nicht so einfach geschenkt bekommen. Und
00:39:07: Frauenzeit dann wurde einfach Zeit mit sich selbst zu verbringen.
00:39:14: Und das ist gereift in den Jahren mit uns, das ist gereift in meinem auch immer wieder
00:39:21: erschöpft sein. Ich habe ja viele Jahre für unsere Retreats gekocht und das hat mich über die Zeit
00:39:26: überfordert. Ich konnte von einem Retreat-Block zum anderen, konnte ich mich nicht mehr erholen.
00:39:31: Ich habe immer gesagt, es ist wie 20 Kinder stillen, wenn ich gekocht habe. Und ich hatte
00:39:36: immer wieder dieses starke Bedürfnis, Zeit mit mir einfach nur alleine zu haben. Wo niemand da ist,
00:39:42: wo nichts von mir erwartet wird, wo ich nicht um andere mich kümmere.
00:39:47: Und das sind dann Zeiten auch geworden, wo ich einfach draußen sitze und in den Himmel schaue
00:39:52: oder Blumen betrachte oder auf dem Boden liege oder im Sonnenglitzerregen stehe. Und
00:40:01: irgendwann war dann plötzlich klar, das geht uns Frauen allen so. Ich habe so auf
00:40:08: die Frauen geschaut und ich habe ja viele Frauen hier erlebt im Retreat,
00:40:12: die sehr erschöpft hier ankommen, die Mütter sind, die viele Rollen gleichzeitig ausfüllen.
00:40:16: Die versuchen alles richtig zu machen, die einfach so unglaublich müde sind. Und
00:40:27: das war der Moment, wo klar war, ich verschenke mich und ich lade ein zu mir zu kommen. Weil zum
00:40:35: einen hatte ich die Erfahrung mit dem Erschöpft sein, zum anderen koche ich fantastisch,
00:40:42: zum dritten ist mein Reich … Das kann man so nicht sagen, über sich selbst.
00:40:46: Doch, das sagen andere. Und ich bin inzwischen so weit,
00:40:49: dass ich das auch nehme tatsächlich und auch über mich sage. Auch das ist ein Reifungsschritt.
00:40:55: Ich kann einfach gut kochen. Und mein Anspruch ist es beim Kochen, so zu kochen,
00:41:03: dass es das Herz berührt. Dass du spürst, das Essen geht in dich hinein und es schwimmt in
00:41:10: deine Zellen und es landet in deinem Herz und die Schultern entspannen sich und du sitzt.
00:41:16: Und im besten Fall kann es so weit gehen, dass die Tränen aufsteigen. Das ist meine
00:41:23: Art zu kochen und so koche ich für die Frauen, die zu mir kommen. Und das macht unter anderem,
00:41:31: also Teil des Ganzen ist auch das Kochen, dass ich jemanden … Also Kochen ist nicht nur Kochen,
00:41:37: ich koche fantastisch, sondern es ist eine Form des Nährens.
00:41:43: Und mein Eindruck ist, dass wir alle irgendwie unterernährt sind. Unterernährt an Fürsorge und
00:41:51: an Gemeinsein, an Präsenz, an gesehen werden. Weil das, was passieren kann,
00:41:59: was durch das Essen hindurch passiert, ist die Präsenz, ist die Aufmerksamkeit, mit der ich
00:42:07: die Zutaten anfasse, das Gemüse auswähle, das Gemüse wasche, das Gemüse schneide.
00:42:14: All diese Aufmerksamkeit geht in das Essen hinein und diese Aufmerksamkeit wird spürbar
00:42:21: in deinem Magen und in jeder Zelle und äußert sich vielleicht als eine Träne in deinen Augen. Und
00:42:30: Teil dieser Frauenzeiten ist, dass ich einfach für uns sorge. Es sind Gespräche,
00:42:37: es ist spürendes Fühlen dessen, was oft nicht gespürt und gefühlt werden darf
00:42:46: oder wo die Angst viel zu groß ist, sich da tatsächlich hinein sinken zu lassen.
00:42:51: Es ist ein gehaltener Raum und es basiert auf Beziehung. Es basiert auf, ich lasse mich auf
00:42:58: den Menschen, der zu mir kommt, ich lasse mich auf ihn ein und ich bin mit ihm da und ich lese
00:43:05: und beantworte. Und das macht natürlich auch, dass oft Frauen kommen, die auch eine Geschichte
00:43:14: von Verletzungen in sich tragen und die in diesen Raum des Behütet seins neu eintauchen.
00:43:25: Und damit etwas sich wie ein Balsam auf Stellen legen kann, die durch das ganze
00:43:36: Leben hindurch wehgetan haben. Es ist zum einen
00:43:41: mein Reich in Dresden. Es ist erfüllt von friedlicher Schönheit, von Zeitlosigkeit.
00:43:49: Es sagen immer wieder die Frauen, dass sie eintauchen in einen Raum von Zeitlosigkeit. Es
00:43:57: ist, dass wir zusammen Yoga üben. Es sind die Spaziergänge.
00:44:03: Es ist das Miteinander-Zusammensein. Und gleichzeitig ganz viel Raum haben drum herum für
00:44:12: sich selbst. Gleichzeitig hat es sich entwickelt, weil du sagst, Gruppen sind eher nicht meins.
00:44:20: Also das stimmt so und gleichzeitig stimmt es nicht. Also ich bin gerne mit Gruppen zusammen,
00:44:27: aber sie dürfen halt nicht eine bestimmte Größe übersteigen. Dadurch, dass ich Menschen sehr
00:44:32: fühle, mich sehr wahrnehme, auch andere Menschen sehr wahrnehme, ist eine Gruppengröße von 20,
00:44:38: so wie hier bei uns in den Retreats, da ducke ich immer ein kleines bisschen weg.
00:44:45: Das sind viele Menschenkörper mit allem, was sie mitbringen. Und ich habe festgestellt,
00:44:52: meine Gruppengröße ist 10 bis 12. Das kann ich in mir gut verstoffwechseln.
00:44:59: Da kann ich jeden Menschen einzeln sehen. Und einmal im Jahr gibt es
00:45:02: eine Frauenzeit mit 10 bis 12 Frauen im Haus meiner Tante in einem der zwei
00:45:10: blauen Häuser in meinem Leben. Das heißt Morgenstille und Sommerlachen.
00:45:15: Und dann sind wir zu elf, zu zwölft und das passt. Das ist dann immer von
00:45:21: Mittwoch bis Sonntag. Und es, das ist mir ganz wichtig, es entsteht aus uns allen.
00:45:27: Also die Zeit, na klar, wir kochen zusammen, wir singen zusammen, wir tanzen zusammen,
00:45:32: wir sitzen zusammen im Sinne von in Stille, wir üben zusammen Yoga. Und es
00:45:37: ist ein gemeinsames Ding, was aus unseren Bedürfnissen entsteht. Und es kann sein,
00:45:43: dass dann manche Frau das Bedürfnis hat, jetzt nicht mit zu kochen und dann legt
00:45:47: sie sich hin oder die andere sagt, ich gehe jetzt mit mir alleine spazieren.
00:45:52: Also es ist sehr viel Freiraum für das eigene, das ganz Individuelle und gleichzeitig für das
00:46:00: Kollektive, das Miteinander in der Gruppe. Und das ist mir so wichtig, diese Verknüpfung zu
00:46:08: haben von beidem, beides miteinander. Wir sind ja vier Monate pro Jahr zusammen im Retreat.
00:46:21: Jetzt im Frühling und dann im Sommer und dann im Herbst und dann nochmal im Winter. Da
00:46:29: bleibt nicht ganz so viel Zeit übrig für Frauenzeiten. Du hast immer als
00:46:37: Bedingung für Teilnahme an Frauenzeit genommen: Menschen, die bei uns ein Retreat gemacht haben.
00:46:45: Warum ist das nötig? Warum ist das nötig, weil die Menschen sonst nicht verstehen, warum es so viel
00:46:54: dazwischen gibt. Und dazwischen heißt, dass immer wieder Räume von Nichts entstehen. Und jemand,
00:47:07: der das nicht kennt, dass auch nichts da sein darf, könnte damit überfordert sein.
00:47:17: Und es ist für mich ein Sicherheitsfaktor. Also weil die Frauen kommen ja in mein privates Reich,
00:47:25: in eine 85 oder 82 Quadratmeter Altbauwohnung am Martin-Luther-Platz in Dresden in der
00:47:33: Neustadt. Ich lebe an diesem Ort und ich habe zwei Zimmer, zwei 20 Quadratmeter Zimmer.
00:47:41: Ein Zimmer ist meins und das andere Zimmer ist das Frauenzimmer. Es
00:47:45: ist mein ganz geschützter privater Raum. Und wenn ich weiß, ein Mensch war hier bei uns im Retreat
00:47:51: und er hat sich berühren lassen von dieser Praxis, dann ist das für mich auch ein Sicherheitsfaktor.
00:47:57: Weil wenn jemand ganz fremd zu mir kommen würde, in mein privates Reich,
00:48:02: das würde sich zu unsicher in mir selbst anfühlen. Und deshalb ist das
00:48:08: ein Grund und der andere Grund ist einfach wirklich, dieses jemand, der gespürt hat,
00:48:14: wie wirksam diese Praxis ist, die wir hier den Menschen eröffnen und ihnen zeigen und
00:48:23: sie mitnehmen dort hinein und erleben lassen. Wenn jemand das einmal erlebt hat, dann kommt er mit
00:48:30: einer ganz anderen Intention zu mir, als ich will mal ein bisschen zur Ruhe kommen.
00:48:34: Weil es geht tiefer, es geht einfach viel tiefer und es ist so viel mehr, als ich will mal ein
00:48:41: bisschen zur Ruhe kommen. Und das sichert das, das sichert den Anspruch und die Stimmigkeit
00:48:52: an diese Zeit. Es sind im Schnitt sechs bis zehn Menschen, die zu mir kommen im Jahr.
00:49:00: Ich habe auch schon mal 13 Menschen gehabt, aber das ist zu viel, weil ich stimme mich ja auch ein
00:49:07: auf diese Zeit, ich mache mich leer für diese Zeit. Und wenn eine Frau da ist, sagen wir mal
00:49:11: jetzt von Donnerstag bis Sonntag oder halt eine ganze Woche, sechs Nächte, eine Woche,
00:49:18: ich brauche danach auch Zeit. Also ich habe danach zwei bis drei Tage, um mein Spürfeld,
00:49:23: was sich sehr ausbreite, wieder ganz zu mir zurückzunehmen und nur noch Kathi.
00:49:29: Und das macht natürlich, dass ich relativ wenig Zeit habe, wobei das nicht stimmt,
00:49:35: ich habe wirklich endlos Zeit. Also weil die Zeit sich so ausdehnt und ich mich in so einem
00:49:41: Raum von Zeitlosigkeit häufig bewege. Aber ich brauche halt hinterher diese Zeit,
00:49:47: um mein Spürfeld, das sich sehr ausbreitet, wieder zu mir zurückzunehmen und nur Kathi.
00:49:58: Danke, Kathi. Bitte, Adrian. Ja, bitte.
00:50:12: Mir denkt es jetzt gerade, ich habe wirklich gerade den Gedanken, wie jetzt,
00:50:15: das ist schon vorbei. Ja, es wartet. Geschirrspülen.
00:50:22: Das stimmt, es wartet jetzt Geschirrspülen auf mich,
00:50:25: genau. Auf uns beide. Auf uns beide und anschließend in den Saal und anschließend
00:50:30: werde ich eine Yogastunde fürs Online-Programm geben, genau.
00:50:34: Und dann ist es schon Abend, ich werde selber noch etwas praktizieren,
00:50:38: Schulterstand und Kopfstand oder umgekehrt. Nicht oder und umgekehrt. Wer niedrigschwellig mal Yoga
00:50:48: mit dir üben möchte, der kann einfach eine Woche im Online-Programm kommen.
00:50:54: Das stimmt, Schnupperwoche. Genau, mach eine Schnupperwoche. Immer mittwochs,
00:50:59: immer mittwochs um 17 und um 19 Uhr gibt es eine Yogastunde mit mir, Iyengar-Yoga.
00:51:05: Genau, das gibt auch eine reich gefüllte Mediathek mit vielen aufgezeichneten Yogastunden und
00:51:12: ja, du bist herzlich willkommen. Du bist aber auch ansonsten herzlich zu einem unserer
00:51:16: Retreats willkommen. Und dann anschließend oder nachfolgend auch immer in einer Frauenzeit bei
00:51:22: mir, die inzwischen übrigens, und das habe ich nicht gesagt, auch einfach nur Urlaub sein kann.
00:51:28: Es kommen tatsächlich auch Frauen, die kommen einfach nur, weil sie gerne mit mir Urlaub machen
00:51:34: möchten und die Stadt kennenlernen und Fahrrad fahren und gut essen und Gespräche haben. Ja,
00:51:39: das ist dann Zeit wie mit einer guten Freundin, wo aber Themen sicherlich auch sich zeigen,
00:51:45: die einer sehr feinfühligen Begleitung bedürfen könnten. Genau,
00:51:53: also es gibt auch Urlaub, man muss nicht mit den riesigen Themen kommen.
00:51:57: Genau, okay. Danke für das Gespräch. Ja, bitte.
00:52:02: Tschüss.
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