Was Unternehmer lernen müssen, bevor Mitarbeiter wirklich Verantwortung übernehmen
Shownotes
Natacha Neumann ist Serial Entrepreneur. 2010 gründete sie "Freche Freunde" und baute das Unternehmen ohne Hierarchien und mit Selbstorganisation für rund 100 Kolleg*innen auf. Heute ist sie Mitgründerin von MOKKA*MILCH, einem Ort für Gastronomie, Events und Co-Working in der historischen Mokka-Milch-Eisbar an der Karl-Marx-Allee in Berlin.
LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/natacha-neumann-333b19/
25-Minuten praktische Vipassana-Einführung: https://www.youtube.com/watch?v=RJyK4KtG4t4
Retreats mit Adriaan: https://vipassana-jetzt.com/vipassana-retreats/
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00:00:00: Ich spreche von mir, ich habe gelitten.
00:00:02: Richtig gelitten in dieser Zeit.
00:00:04: Leute denken, das ist ein Struktur, wo du keinen Chef hast.
00:00:08: Und ich sage, nein, du hast jeden Einzelnen.
00:00:10: Jeder Einzelne ist ein Chef, jeder Einzelne ist eine Führungskraft.
00:00:13: Es hat benötigt, dass ich lerne, Leuten zu vertrauen, komplett zu vertrauen,
00:00:18: mit meinem Baby, mit meiner Firma.
00:00:21: es hat gebraucht, dass ich loslasse
00:00:24: Ja, also ich mache es, weil ich merke, dass ich diese Zeit zurückgewinne im Laufe meines Tages.
00:00:39: Das hört sich verrückt an, aber wenn ich diese Stunde nicht investiere,
00:00:44: dann verliere ich eine Stunde oder mehr irgendwo anderes.
00:00:48: ohne das denke ich nicht, dass Selbstführung
00:00:50: passieren kann, weil wenn ich nicht weiß
00:00:53: wie es mir gerade geht
00:00:55: was ich gerade denke
00:00:56: kann ich nicht etwas angehen
00:01:02: Natacha, wie bleibst du geistig gesund?
00:01:07: Ich meditiere jeden Morgen mit dir.
00:01:14: Ich mache Sport. Sport ist auch ein bisschen meine Meditation.
00:01:19: Also hauptsächlich Laufen.
00:01:24: Das ist eine sehr wichtige Praxis für mich.
00:01:28: Ich merke auch, wenn ich eine Runde drehen brauche.
00:01:34: Ich mache einmal im Jahr die 10 Tage Vipassana Retreat.
00:01:39: Das ist auch über die Jahre ein wichtiger Teil meiner Praxis geworden.
00:01:45: und ich habe sehr viele unterschiedliche Räume, um zu reflektieren.
00:01:51: Und reflektieren, ich bin jetzt ein paar Tage Gast bei euch in Berlin
00:01:55: und du hast ein recht volles Leben mit drei schulgehenden Kindern
00:02:00: und einem Unternehmen und ich habe da eigentlich noch ein paar Projekte daneben,
00:02:07: die jemand anderes vielleicht auch ein Unternehmen nennen würdest.
00:02:11: Wie balancierst du so viel gleichzeitig?
00:02:17: Ich denke, es ist Organisation, ein großes Teil.
00:02:23: Mittlerweile sind meine Kinder auch sehr selbstorganisiert.
00:02:28: Also ich habe sehr viel Glück, auch diese wunderschönen drei Kinder,
00:02:33: dass sie mir lassen tun, was ich liebe.
00:02:39: Das ist ein Teil Mutter zu sein, aber
00:02:41: ein großes Teil ist auch Unternehmerin zu sein.
00:02:44: Und das ist, die
00:02:45: verstehen das, ich denke.
00:02:47: Und wir sprechen auch offen darüber.
00:02:50: Es ist,
00:02:51: ja, es ist ein,
00:02:53: eine Organisation, aber es ist
00:02:55: auch ein
00:02:57: Klarheit im Kopf. Also ich merke die Momente,
00:02:59: wo, nicht, dass ich nicht Momente
00:03:01: habe von Überförderung, das kommt auch.
00:03:05: Und dann
00:03:05: kurz innezuhalten, so gucken,
00:03:07: okay, was brauche ich gerade, was braucht es, um wieder strukturiert,
00:03:14: wieder aus der Rose zu agieren und nicht aus dem Stress.
00:03:19: Und wie lange brauchst du dann?
00:03:23: Das ist abhängig von der Situation.
00:03:26: Ich habe unterschiedliche Sachen, es war ein interessantes Jahr für mich.
00:03:30: Ich habe ein neues Business gestartet.
00:03:32: Ich habe auch Monate von kompletter Unruhe gehabt dieses Jahr, was ungewöhnlich war.
00:03:39: Das habe ich seit mehr Jahren nicht so erlebt.
00:03:47: Vielleicht Monate sind zu viel, aber ich habe definitiv Wochen gehabt,
00:03:51: wo ich mehr hinterher gelaufen war, als reagieren zu müssen.
00:03:59: Aber das ist nicht der normale Zustand.
00:04:01: oder der normale Zustand ist, gibt es Momente.
00:04:04: Und dann bin ich mittlerweile, und ich denke, ein großer Teil davon
00:04:07: hat auch meine Meditationspraxis und die Passenden eine Rolle gespielt,
00:04:10: dass ich ziemlich schnell merke, was da los ist, das Wiederfangen.
00:04:19: Und Unternehmerin, wie bist du zur Unternehmerin geworden
00:04:23: und was ist da so kurz dein Verlauf?
00:04:26: Ja, also ich habe in der Corporate World gestartet, also meine Karriere, einfach weil ich wusste nicht, also ich habe erst mal BWL studiert, weil ich wusste nicht, was ich ansonsten studieren sollte. Also es war alles ein bisschen Zufall, mein Leben gefüllt.
00:04:43: Dann in einen ersten Job reingekommen und dann ein zweites.
00:04:47: Und ich bin irgendwann, ich habe eine richtige Bewusstentscheidung getroffen.
00:04:52: Und das war mein Job zu kündigen, auch wenn alles war okay.
00:04:59: Es war lustig, weil viele Leute haben das nicht verstanden.
00:05:02: Ich war richtig auf diese Karriereleiter.
00:05:03: Ich hatte eigentlich viel Erfolg in dem, was ich gemacht habe.
00:05:08: Ich habe eigentlich eine neue Stelle angeboten bekommen, mit mehr Geld und mehr Verantwortung.
00:05:18: Und das hat mit mir nichts gemacht.
00:05:21: Es hat mit mir nichts gemacht.
00:05:22: Ich habe gedacht, eigentlich, der Großteil meiner Leute sind hier, um genau das zu bekommen.
00:05:30: Und das bewegt mich an null.
00:05:32: Das war für mich die Erkenntnis, okay, dann bin ich hier falsch, wenn ich das nicht möchte.
00:05:37: oder ich es bekomme und es macht nichts mit mir.
00:05:41: Und deswegen das und auch mit diesem Gefühl,
00:05:45: ich steuere hier nicht mein eigenes Leben.
00:05:47: Ich bin hier nicht in der Fahrersitz.
00:05:50: Ich fließe einfach nur mit.
00:05:54: Und das war, ja, dann habe ich einfach gekündigt
00:05:57: und gesagt, wie kann ich eigentlich Kontrolle über mein eigenes Leben
00:06:02: und mein Antwort davon war nicht,
00:06:04: Angestellt zu sein, war
00:06:06: mein eigener Chef
00:06:08: zu sein. Deswegen habe ich gesagt,
00:06:10: ich gründe.
00:06:12: Und war das die Idee, womit du
00:06:14: gegründet hast, da, bevor du
00:06:16: gekündigt hast? Du hast erst gekündigt? Ich habe erst gekündigt.
00:06:18: Alle Leute haben gesagt, ich bin
00:06:20: komplett verrückt.
00:06:22: Nein, die Hälfte haben gedacht,
00:06:26: ich bin
00:06:26: komplett verrückt. Die anderen
00:06:28: Teile haben gesagt, das werde
00:06:30: ich auch irgendwann machen.
00:06:32: Fand ich auch sehr lustig.
00:06:35: oder haben wir, die ältere Leute haben gesagt,
00:06:37: das wollte ich ja auch immer machen
00:06:38: und leider habe ich nie diesen Schritt gemacht.
00:06:41: Also für mich, die Leute waren die Bestätigung,
00:06:43: dass ich mache eigentlich alles richtig,
00:06:45: weil wenn Leute sagen,
00:06:47: ich bereue das nicht gemacht zu haben
00:06:49: oder ich werde das irgendwann machen,
00:06:51: aber irgendwann ist niemals,
00:06:54: dann habe ich gesagt, das mache ich,
00:06:56: aber es war gar nicht klar, was ich machen würde.
00:06:59: Und dann habe ich mir auf die Suche gemacht,
00:07:02: was will ich?
00:07:03: Und diese Suche habe ich zweimal in meinem Leben gemacht.
00:07:06: Und das erste Mal war, was war ich, 25, 26.
00:07:15: Und ich bin erst mal so ins Soul-Searching gegangen.
00:07:19: Das hat ein bisschen mehr als ein Jahr gedauert,
00:07:22: wo ich habe unterschiedliche Sachen probiert.
00:07:24: Ich habe versucht, das mit dem Denken zu lösen.
00:07:30: Das Denken hat mir schon ein bisschen geholfen,
00:07:32: aber nicht den ganzen Weg.
00:07:33: und auch ins Fühlen zu gehen.
00:07:35: Das hat ein bisschen noch mehr geholfen.
00:07:39: Ich habe mehrere Businesspläne geschrieben
00:07:41: auf dieser Reise und
00:07:43: kurze gemacht und schliche Sachen gemacht.
00:07:47: dann bin ich
00:07:49: so die Businessplan
00:07:51: gekommen, dass
00:07:53: am Ende
00:07:55: das Business geworden ist.
00:07:57: Und was ist es geworden?
00:08:00: 2010 habe ich
00:08:01: zusammen mit meinem Mann, mit Alex, Freche Freunde.
00:08:05: Also er hat ja Freche Freunde, das ist seine Kindermarke.
00:08:09: Weil für mich was wichtig war,
00:08:11: war etwas, das einen positiven Anfluss auf diese Welt hat.
00:08:16: Ich wusste nicht von Ikigai damals,
00:08:19: aber ich habe gesucht etwas,
00:08:21: das eigentlich mein Ikigai geantwortet hat.
00:08:25: Und sehr viele von den anderen Businessplänen
00:08:27: haben ein, zwei oder drei Teile von Ikigai geantwortet,
00:08:30: aber nicht alle vier.
00:08:33: Und diese Frage von
00:08:34: was ist wichtig
00:08:36: in der Welt, was möchte ich eigentlich verändern
00:08:38: in dieser Welt, was ist der positive Einfluss,
00:08:40: den ich in dieser Welt haben möchte.
00:08:45: Ja, das habe ich
00:08:46: versucht damit zu antworten.
00:08:49: Das war, wie gesagt, ein
00:08:50: Jahr lang oder mehr Prozess,
00:08:53: um mich zu fragen,
00:08:54: was ist das Allerwichtigste in der Welt.
00:08:58: Da bin ich
00:08:58: so der Kenntnis damals,
00:09:00: Die Antwort wäre, es ist jetzt anders.
00:09:02: Aber damals war die allerwichtigste Sache Gesundheit.
00:09:06: Gesundheit ist hauptsächlich durch unsere Ernährung zu steuern.
00:09:11: Und Ernährung ist aber sehr, sehr schwer, spät ins Leben zu ändern.
00:09:15: Deswegen müssen wir mit guter Essgewohnheit starten leben.
00:09:19: Und da heißt es, wir müssen unsere Kinder guter Essgewohnheit entwickeln lassen.
00:09:25: Und deswegen ist eine gesunde Kindermarke rausgeworden.
00:09:28: Genau, Freche Freunde, das sind Sachen, die Kinder gerne essen und im Supermarkt kaufen können.
00:09:35: Genau, das ist mittlerweile im Dach einfach die größte Kindermarke geworden.
00:09:41: Also alles Obst und Gemüse, Snacks für kleine und große Kinder.
00:09:48: Okay, und das hat dich dann ein paar Jahre beschäftigt?
00:09:52: Beschäftigt?
00:09:53: Ja, 12, 13 Jahre hat das
00:09:55: mich beschäftigt und
00:09:57: sehr, sehr viel Freude gegeben
00:09:59: und sehr viel,
00:10:01: ich habe sehr viel gelernt. Ich bin ein komplett
00:10:03: anderes Mensch über die Jahre geworden
00:10:05: durch alles, was ich durfte lernen
00:10:07: durch die unternehmerische Reise,
00:10:09: das Freche Freunde war.
00:10:12: Also, ja, das von
00:10:13: eine Idee zu
00:10:15: die Gründung und dann erstmal ein paar Leute
00:10:17: und dann ein viel
00:10:19: größeres Team und irgendwann, ja,
00:10:21: 100 plus Leute und
00:10:23: diese Verantwortung zu tragen, in mehreren Ländern auch.
00:10:26: Ja, das war definitiv eine Reise.
00:10:30: Und das Ziel war nicht nur, um ein Produkt in den Markt zu setzen,
00:10:34: das beiträgt an einer besseren Welt
00:10:38: und um damit eine schöne Beschäftigung zu haben
00:10:42: und für euch sorgen zu können,
00:10:44: sondern du wolltest auch in der Art, wie ihr gearbeitet habt,
00:10:49: das auch anders machen.
00:10:50: Ja, aber das nicht von Anfang an.
00:10:52: Also wäre schön, wenn so, aber ich war noch nicht so weit, noch nicht so reif in der Zeit. Das habe ich später entdeckt, dass mir das wichtig war. Wenn ich ehrlich bin, am Anfang habe ich gedacht, ich möchte etwas raus in die Welt bringen und ich habe immer nach draußen geguckt und nicht nach innen.
00:11:11: Und nach innen heißt bei mir selbst nach innen, aber heißt auch bei dem Team und wie wir überhaupt sind mit unserem Team, mit unseren Mitarbeitern, mit unserer Kultur.
00:11:23: Und über die Zeit ist das eigentlich die allerwichtigste Sache geworden, weil ich habe gelernt, wenn es uns gut geht, wenn es mir gut geht, wenn es meinem Team gut geht, dann können wir gut in die Welt bringen.
00:11:35: Aber das habe ich nicht von Anfang an kapiert. Das war eine Entwicklung.
00:11:39: Und was bedeutet das konkret für ein Unternehmen?
00:11:42: Ja, das heißt, sehr simpel gesagt, das heißt, die Bedürfnisse, unsere Bedürfnisse zu erfüllen.
00:11:52: Und es ist interessant, weil wenn ich zurückblicke, dieser Schritt in die Selbstständigkeit war,
00:11:58: weil meine Bedürfnisse in einem Angestelltenverhältnis nicht erfüllt waren.
00:12:03: Ich habe mich nicht frei gefühlt, ich habe mich nicht autonom gefühlt,
00:12:08: Ich habe mich mehr nicht zugehörig gefühlt.
00:12:12: Und ich hatte auch nicht das Gefühl, dass ich einen Impact hatte.
00:12:16: Alle Sachen, die für mich wichtig sind und ich denke auch wichtig sind für sehr, sehr viele Leute.
00:12:21: Und dann habe ich diese Firma gegründet und irgendwann gemerkt,
00:12:25: alles, was ich habe gesucht und was mehr wichtig ist, habe ich für mich erfüllt,
00:12:31: aber nicht für das große Team, das wir da haben.
00:12:34: Und es ist so eine simple Erkenntnis.
00:12:36: Es ist nicht, wenn ich es sage, es fühlt sich so selbstverständlich an, aber es war nicht.
00:12:43: Und ich denke, wir kommen in eine Welt, wo die Arbeit ist, um Geld zu verdienen und nichts anderes.
00:12:57: Und diese Mindset-Veränderung, die ich gehabt habe, hat alles geändert.
00:13:01: Also einfach diese Erkenntnis von, ich möchte hier Gutes tun für allen.
00:13:08: Und das heißt nicht nur unser Konsument, aber auch unser Team.
00:13:13: Das hat die Art und Weise, dass ich führe, die Art und Weise, dass wir strukturiert waren,
00:13:17: die Kultur, die wir hatten, wie wir gearbeitet haben, wie wir miteinander waren, das hat alles verändert.
00:13:24: Aber ja, es war eine Reise, was heute im Tag genannt ist als kulturelle Transformation.
00:13:30: Ich hatte auch damals noch keinen Namen dafür, aber das haben wir durchgemacht.
00:13:34: Und es hat ein paar Jahre gedauert.
00:13:36: Und wenn ich zurückblicke, es war auch wahrscheinlich einfach die härteste Sache,
00:13:43: was ich in meinem Leben gemacht habe, weil es sehr viel Selbstveränderung benötigt hat.
00:13:51: Es hat benötigt, dass ich lerne, Leuten zu vertrauen, komplett zu vertrauen,
00:13:56: mit meinem Baby, mit meiner Firma.
00:13:59: es hat gebraucht, dass ich loslasse
00:14:02: es hat gebraucht, dass
00:14:06: ich
00:14:07: schwere Sachen
00:14:09: auch
00:14:11: entscheide
00:14:12: für das Gute von
00:14:14: der Gemeinschaft, die das Team war
00:14:18: es hat
00:14:19: auch an die Ego angegangen
00:14:22: weil so loszulassen
00:14:24: von ich bin nicht die Allerwichtigste und ich weiß nicht
00:14:26: besser und es geht
00:14:28: nicht mehr an mir und meine Firma,
00:14:30: meine Baby.
00:14:31: Als Unternehmer am Anfang sind wir sehr
00:14:34: egozentrisch. Ich denke, es braucht
00:14:36: so ein bestimmtes Grad am Anfang,
00:14:38: um etwas in der Welt zu bringen,
00:14:41: aber das alles
00:14:42: loszulassen.
00:14:44: Und wenn du darauf zurückschaust,
00:14:46: die 12, 13 Jahre,
00:14:48: was ist da gelungen,
00:14:50: um umzusetzen?
00:14:51: Ja, es ist
00:14:54: mein größter Stolz,
00:14:56: viel mehr, viele Leute sehen
00:14:58: die Marke, die Erfolg von
00:15:00: der Firma und das ist für mich nicht, wo ich
00:15:02: stolz bin. Ich bin stolz von,
00:15:04: was ich habe geschafft zu
00:15:06: machen mit Leuten.
00:15:08: So viele Leute kommen zu mir
00:15:10: und sagen, Natacha, das hat
00:15:12: mein Leben verändert. Ich bin jetzt ein anderes Mensch.
00:15:14: Ich bin anders, nicht nur
00:15:16: an dem Arbeitsplatz. Ich bin jetzt anders
00:15:18: mit meiner Familie, mit meinen Freunden.
00:15:22: Und das
00:15:23: für mich ist die
00:15:26: Veränderung, die wir in der Welt geschafft haben.
00:15:28: zu bringen. Und was ist dann das andere?
00:15:30: Dass Menschen in die Eigenverantwortung kommen?
00:15:33: Genau, also
00:15:35: ich nenne das immer
00:15:36: Selbstführung, weil es startet
00:15:38: mit, es ist eine
00:15:41: selbstorganisierte Firma, aber
00:15:42: um selbstorganisiert zu sein, muss jeder auch
00:15:44: selbst geführt sein.
00:15:47: Wir sprechen sehr oft in Firmen über
00:15:48: Führung, aber ich glaube
00:15:50: fest, dass Führung nicht stattfinden kann, wenn ich
00:15:52: nicht mit mir selbst starte
00:15:54: und selbstorganisiert.
00:15:56: Leute denken, das ist ein Struktur, wo du keinen Chef hast.
00:16:00: Und ich sage, nein, du hast jeden Einzelnen.
00:16:02: Jeder Einzelne ist ein Chef, jeder Einzelne ist eine Führungskraft.
00:16:04: Und dafür braucht es diese Selbstführung von jedem Einzelnen.
00:16:10: Und das sind sehr viele Sachen.
00:16:13: Es ist nicht so einfach, deswegen ist es auch so schwer,
00:16:15: weil es nicht so einfach ist, in einem Satz zu sagen, was es ist.
00:16:19: Es ist ein Empowerment von Leuten.
00:16:23: Und das ist ein Prozess, dass Leute anfangen zu lernen,
00:16:27: die können sich zutrauen zu entscheiden,
00:16:29: die können sich zutrauen, harte Entscheidungen zu treffen,
00:16:35: schwere Sachen auszusprechen,
00:16:38: die können lernen, falsch zu sein,
00:16:41: und das ist okay, und die lernen davon.
00:16:46: Also eigentlich viele Sachen, die wir eigentlich verlernen
00:16:50: durch unsere Erziehung, durch die Schule.
00:16:52: also die Schule bringt uns bei
00:16:55: es ist falsch Fehler zu machen
00:16:57: es ist falsch
00:16:59: zu viel aus der Reihe zu tanzen
00:17:01: und
00:17:03: deswegen ist es schwer
00:17:04: und es war auch für mich schwer
00:17:05: weil es ein Unlearning-Prozess
00:17:11: ich sage immer
00:17:13: um eine Veränderung zu machen
00:17:15: um etwas Neues zu lernen
00:17:17: wir müssen erstmal etwas loslassen
00:17:20: etwas zurücklassen
00:17:21: etwas anlernen
00:17:23: und das ist nicht so einfach.
00:17:26: Weil noch mehr die Sachen,
00:17:27: die von unserer Kindheit gelernt sind
00:17:29: und mit unserer eigenen Identität hängen,
00:17:33: ja, es braucht Zeit, es braucht Mut.
00:17:35: Mut ist wahrscheinlich der allerwichtigste Skill,
00:17:38: das es braucht auf dieser Reise.
00:17:41: Ich sitze hier mit einem irritierenden Erinnerung, Gedanken.
00:17:45: Schön.
00:17:47: Nämlich, ich komme aus den Niederlanden
00:17:50: und bin von dort vor 18 Jahren nach Deutschland gezogen
00:17:56: und habe das ein bisschen empfunden als das Umgekehrte,
00:17:59: als was du gemacht hast.
00:18:01: Ich habe das Gefühl, ich weiß nicht mal, ob es stimmt,
00:18:03: aber dass ich komme aus einer Kultur,
00:18:05: wo Eigenverantwortung selbstverständlich ist
00:18:07: und wo Mitarbeiter selbstverständlich Verantwortung für,
00:18:14: das wird sicher nicht für jeder gelten, aber für viele,
00:18:17: für die eigene Umgebung haben
00:18:19: und wo zum Beispiel Fehler machen, völlig selbstverständlich ist.
00:18:24: Und kein Grund für Tadel, sondern ein Grund für,
00:18:26: okay, lass uns reingucken, weil wir können was lernen hier.
00:18:30: Und schön, dass du die Fehler gemacht hast,
00:18:32: weil du hast gelernt und wir auch.
00:18:36: Wir haben da was gesehen und danke, dass du dich traust, Fehler zu machen.
00:18:41: Und für mich war das Kontakt mit,
00:18:44: ich habe damals oder vorher mit einer deutschen Firma zusammengearbeitet auch
00:18:48: und ich habe so viele Schwierigkeiten gehabt,
00:18:51: um mich in diese hierarchische Struktur einzufügen
00:18:54: und einfach zu verstehen, dass jemand sieht,
00:18:56: da geht was, also eine Station weiter läuft was falsch
00:19:00: und ich sehe es und ich mache nichts,
00:19:01: weil wenn ich was mache und das geht dann falsch,
00:19:04: dann habe ich ein Problem.
00:19:05: Und wenn ich nichts mache, ist es nicht meine Station,
00:19:07: ich habe auch kein Problem.
00:19:10: Weil das irritiert mich jetzt.
00:19:12: Es ist toll, dass es dich irritiert,
00:19:13: weil das ist eigentlich, das ist die Kern auch von Selbstführung.
00:19:18: Ja, es so reinzuspüren, was irritiert mich, was wir gerade gebaut haben, ist eine Holacracy.
00:19:26: Und eine Holacracy ist einfach eine Form von selbst.
00:19:31: Eine Holokratie.
00:19:32: Eine holokratische Struktur ist einfach eine spezifische Art und Weise, selbst organisiert zu sein.
00:19:41: Und in holographisches Arbeiten, die ganze Arbeit, die ganze Magie,
00:19:47: die in der Organisation passiert, startet immer mit einer Spannung.
00:19:51: Wir sprechen von Spannungen, was eigentlich nicht so weit weg von Irritation ist.
00:19:56: Reinzuspüren und eigentlich in wie passender Praxis,
00:20:00: vielleicht sehe ich selbst sehr, sehr viele Parallelen.
00:20:04: Ich spüre eine Spannung. Es kann sein, ich sehe da etwas und es stört mich.
00:20:09: Es kann sein, es ist in meinem Arbeitsbereich, es kann sein, es ist nicht in meinem Arbeitsbereich,
00:20:13: es kann sein, es ist etwas interpersönlich, es kann sein, es ist egal was, es ist nicht
00:20:17: wichtig.
00:20:18: Ich kann eigentlich auf alle Ebenen reinfühlen und noch wichtiger, dann etwas ansprechen
00:20:25: und machen.
00:20:26: Und das ist die Selbstführung.
00:20:27: Also in sehr kurzes beschrieben: Ich mache mich verantwortlich für die Irritation, die
00:20:33: ich habe für die Spannungen, dass ich
00:20:35: spüre, ich ändere es,
00:20:38: ich spreche es aus, ich mache
00:20:39: Sachen in Bewegung, sodass
00:20:41: diese Spannung sich löst. Und wenn
00:20:43: Spannungen sich lösen, gehen wir
00:20:45: richtig an den Kern von Innovation,
00:20:49: Verbesserung, Veränderung.
00:20:50: Das ist, wo
00:20:52: die Firma richtig Schritte nach vorne
00:20:53: macht, weil die Spannungen sind gelöst.
00:20:56: Und
00:20:57: über die Jahre hat diese
00:20:59: andere Drangehensweise,
00:21:01: wie hat das Personal
00:21:03: Stand gefiltert?
00:21:05: Sind da Menschen gegangen, die sich damit nicht
00:21:07: zurecht... Ja, also
00:21:09: eine Transformation ist, wie gesagt,
00:21:11: ein harter Prozess.
00:21:13: Du musst...
00:21:15: Ich spreche von mir, ich habe gelitten.
00:21:18: Richtig gelitten in dieser Zeit.
00:21:21: Und
00:21:23: dann gehen wir ins Team und sagen,
00:21:25: jetzt werden wir uns alle transformieren,
00:21:27: weil sich so zu trauen,
00:21:29: Spannungen so angehen und
00:21:31: arbeiten und an sich selbst so arbeiten,
00:21:33: loszulassen von dem Ego, etc.
00:21:37: Nicht jeder möchte das.
00:21:39: Oder nicht jeder,
00:21:40: ich weiß nicht, das ist vielleicht eine spannende Diskussion,
00:21:43: möchte jeder das und vielleicht noch nicht jeder ist dafür bereit
00:21:47: oder bereit, die Energie reinzustecken,
00:21:49: um das zu machen.
00:21:52: Es gibt eine Theorie,
00:21:54: um eine Veränderung anzustoßen,
00:21:57: muss der Schmerz von der Status Quo
00:22:02: größer sein als der Schmerz
00:22:03: von der Veränderung. Und das ist oft
00:22:05: nicht der Fall.
00:22:07: Das ist der Grund, warum es oft in unserer
00:22:09: Gesellschaft muss erst mal sehr schief
00:22:11: laufen, bevor wir uns bewegen,
00:22:13: um etwas zu verändern.
00:22:15: Weil Veränderung kostet Arbeit, kostet Energie.
00:22:18: Und nur wenn es weh genug
00:22:20: tut, sind wir bereit,
00:22:21: aufzustehen und etwas zu verändern.
00:22:24: Also um deine
00:22:25: Frage zu antworten, ja, viele Leute
00:22:27: waren nicht bereit, in diesen Schmerz reinzugehen,
00:22:29: weil es war alles okay.
00:22:30: Die Firma war erfolgreich, hat gelaufen,
00:22:32: die haben ihre Arbeit gemacht.
00:22:35: Warum sollen wir etwas anderes machen?
00:22:38: Die Leute, die haben sich dazu getraut,
00:22:42: die haben diese Magie gespürt.
00:22:44: Die haben sich transformiert.
00:22:45: Die sind dafür jetzt so dankbar,
00:22:47: dass sie das erleben durften.
00:22:50: Aber es sind mehrere,
00:22:51: es sind mehrere hingegangen.
00:22:54: Die haben gesagt,
00:22:55: die wollen das nicht oder die können das nicht durchhalten.
00:22:58: Und war das irgendwann auch Teil von der Corporate Identity nach außen
00:23:02: und hat das dann Menschen angezogen?
00:23:06: Ja, also die Corporate Identity ist mindestens in Recruiting.
00:23:11: Also wenn wir Leute gesucht haben, haben wir dann bewusst darüber gesprochen,
00:23:19: weil wir haben auch Leute gesucht, die sich damit wohlfühlen und können auch so arbeiten,
00:23:26: aber nicht so viel in der Marke.
00:23:28: Also ich denke, du würdest einen großen Teil von unseren Konsumenten fragen, die würden nichts davon wissen.
00:23:36: Und dann hast du so eine Organisation aufgebaut und dann entscheidest du, um die Organisation zu verkaufen.
00:23:43: Ja, für mehrere Gründe. Eine war, egal wie viel du in die Selbstorganisation gibst, du Verantwortung übergibst und du Rolle übergibst an das Team.
00:24:00: Ich hatte das Gefühl, dass wir als Gründer, so Alex und ich, trotzdem da waren.
00:24:09: Wir waren die Absicherung.
00:24:11: Ich mache sehr oft Parallelen zwischen einer Firma und einem Kind.
00:24:15: Also kann ich Stunden davon reden, so ein bisschen durch Geburt und Pubertät.
00:24:21: Und diese ganzen Phasen sind fast das Gleiche, dass Kinder durchgehen, Firmen durchgehen.
00:24:27: Es war etwas wie, das Kind ist groß, es geht selbstständig, trägt seine volle Verantwortung, aber dass Mama und Papa noch da rumhocken, tut das Kind nicht unbedingt gut, diesen letzten Schritt in der Welt richtig loszulassen.
00:24:43: Das war ein Grund. Ich hatte das Gefühl, der letzte Schritt, selbst organisiert zu machen, war, dass wir weggehen.
00:24:53: das war die Theorie,
00:24:55: können wir sprechen über die Praxis, was passiert ist.
00:24:58: Das war die eine.
00:24:59: Die andere hat sich
00:25:03: so wie der Moment gefühlt.
00:25:04: Ich bin sehr ein Baumensch.
00:25:06: Ich spüre rein,
00:25:07: was ist gerade, was braucht es?
00:25:09: Wo will ich hin?
00:25:12: Das ist mein Weg.
00:25:13: Und es hat das Gefühl,
00:25:14: dieser Kapitel ist bereit, geschlossen zu sein.
00:25:20: Und
00:25:21: wenn du das Kind in die
00:25:23: Selbstständigkeit lassen
00:25:24: willst,
00:25:27: dann,
00:25:29: wie kannst du dann eine Firma
00:25:31: verkaufen, weil dann kommt einfach ein Neuer her,
00:25:34: und habt ihr
00:25:36: überlegt, um die Firma vielleicht
00:25:39: in Eigentum von den
00:25:41: Teilnehmern, von den
00:25:43: Mitarbeitern zu bringen? Ist das versucht?
00:25:45: Ja, es war eine Überlegung, aber wir
00:25:46: hatten Investoren dabei, und das macht
00:25:49: es schwierig
00:25:50: mit der Investorenstruktur.
00:25:52: Ja.
00:25:54: Plus waren noch finanzielle Mittel,
00:25:58: waren bedarf da finanzielle Mittel,
00:26:00: um noch die Wachstum zu finanzieren für die Zukunft.
00:26:04: Ja.
00:26:05: Also das, ja, also mit Investoren an Bord
00:26:09: und noch Millionen Bedarf für die Zukunft
00:26:12: war einfach keine Möglichkeit.
00:26:14: Okay.
00:26:15: Ja.
00:26:15: Und dann kommt ein Investor rein oder mehrere.
00:26:18: Ja.
00:26:18: Und die sehen erstmal eine Möglichkeit, Rendement zu generieren, nehme ich an.
00:26:24: Und du hast da diese Baby, ihr habt da diese Baby-to-ein-Jung-Erwachsener.
00:26:33: Ja, und wir haben bewusst einen strategischen Partner gesucht,
00:26:40: der ähnliche Werte hatte, das gepasst hat und das verstanden hat.
00:26:48: was wir da, oder
00:26:51: mindestens wertgeschätzt hat,
00:26:52: vielleicht bestanden ist ein großes Wort,
00:26:54: aber wertgeschätzt hat, was wir da für eine
00:26:56: Kultur, was wir haben da geschafft.
00:26:59: Also durch was
00:27:00: wir hatten gebaut, durch diese
00:27:03: Selbstverantwortung, wir sind
00:27:04: richtig schnell im Markt mit Innovation,
00:27:06: Entscheidungen sind in dem Moment getroffen.
00:27:08: Also im Vergleich so, ja,
00:27:10: 100 plus Organisationen,
00:27:12: das normalerweise langsam sind, wo Wachstum
00:27:15: sich langsam einschläft.
00:27:16: schläft. Wir hatten durch diese Kultur
00:27:18: auch einen Marktvorteil
00:27:21: entwickelt.
00:27:23: Genau, und ich denke, das war
00:27:25: wertgeschätzt und wir haben,
00:27:26: wie gesagt, mehrere Partners
00:27:28: uns angeguckt und uns einen ausgesucht,
00:27:30: wo wir hatten das Gefühl, die Werten passen.
00:27:34: Und
00:27:34: ja, sehr lang
00:27:36: nichts hat sich geändert. Also, wie gesagt,
00:27:38: es war selbst geführt, das heißt, wir sind ein bisschen
00:27:40: gegangen, Natacha und Alex
00:27:42: waren nicht mehr da, aber eigentlich niemand Neues
00:27:44: reingekommen, also das Team hat weiter
00:27:47: geführt.
00:27:48: Wie wir schon
00:27:51: seit einer Weile gemacht haben.
00:27:52: Es funktioniert.
00:27:54: Es hat funktioniert, ja.
00:27:56: Ich sage das in der Vergangenheit,
00:27:58: weil jetzt in den letzten
00:28:00: Jahren ändert sich das ein bisschen.
00:28:04: Ich merke
00:28:06: allgemein
00:28:06: in der Welt, dass
00:28:08: in,
00:28:10: ja, gibt es immer Momente,
00:28:14: wo
00:28:15: wo vielleicht die Wirtschaft
00:28:17: allgemein nicht so gut läuft
00:28:19: und Leute werden wieder ängstlich
00:28:21: und diese Angst macht,
00:28:23: dass Leute festhalten möchten,
00:28:25: statt in das Vertrauen
00:28:27: das loslassen.
00:28:28: Und stückweise
00:28:30: spürt
00:28:32: mein alter Baby das.
00:28:39: Und dann hast du deine Hände wieder
00:28:41: frei, dann hast du wieder Zeit,
00:28:44: dann bist du wirtschaftlich auch wesentlich freier aufgestellt
00:28:48: und dann entscheidest du dich für eine neue Firma
00:28:52: in einer Umgebung, wo Hierarchien quasi das A und O sind.
00:29:01: Genau, ich denke, ich habe mein Ende letztes Jahr gegründet
00:29:07: und ich denke, ich habe hundertplusmal gehört,
00:29:12: dass ich entweder verrückt bin oder sehr, sehr mutig.
00:29:17: Das ist einfach ein anderes Wort für verrückt, ich denke.
00:29:21: Ja, genau.
00:29:22: Also ich habe in Gastronomie,
00:29:25: Gastronomie ist nicht nur in Gastronomie,
00:29:28: wir haben auch eine Eventfläche,
00:29:29: wir haben auch Coworking, also es ist etwas Größeres.
00:29:32: Und wir haben also MOKKA*MILCH in die damalige Mokka-Milch-Eisbar,
00:29:37: was ein berühmter DDR-Gebäude ist,
00:29:40: das gebracht hat und kreieren da
00:29:41: ein Space.
00:29:44: Wieder zusammen mit Alex,
00:29:46: weil mit so viel
00:29:48: Veränderung in meinem Leben brauche ich einen konstant.
00:29:51: Und das ist
00:29:52: Alex.
00:29:54: Also ich habe es gesehen
00:29:56: die letzten Tage und es ist
00:29:57: ein wunderschönes Lokal.
00:29:59: Gratuliere, wie ihr das so
00:30:02: gemacht habt.
00:30:05: Und wie gehst du mit
00:30:07: dieses Eigenverantwortung,
00:30:09: Vertrauen
00:30:12: in so
00:30:13: eine Branche rein, wo
00:30:15: ziemlich viel Hierarchie,
00:30:18: einfach, wie macht man das in der
00:30:19: Küche, wie machst du das auf
00:30:21: dem Flur, wo Menschen essen,
00:30:23: da ist der eine der Häuptling und die
00:30:25: anderen laufen Sachen aus und noch jemand
00:30:27: räumt auf.
00:30:31: Bist du da mit den gleichen Idealen
00:30:33: rangegangen? Ich bin mit den gleichen
00:30:35: Idealen. Und es war
00:30:37: Interessant, weil ich habe das Gefühl, ich mache das für das erste Mal.
00:30:42: Weil ich habe eigentlich nie eine Firma gestartet, die Selbstführung.
00:30:45: Ich habe noch nie Gastronomie gemacht.
00:30:47: Also Leute sagen, hey, du bist so erfahren.
00:30:49: Aber ich bin so, nein, ich lerne jeden Tag neu.
00:30:54: Ich mache das im Praktikum mit, wie das das erste Mal wäre.
00:30:58: Ich bin mit dem Ideal gegangen, dass ich möchte, das selbstgeführt zu starten.
00:31:05: Ich merke jetzt, dass es gerade nicht möglich ist, so zu starten.
00:31:13: Also mindestens für mich, es gelingt mir nicht, so zu starten.
00:31:18: Ich denke, es ist sicherlich möglich.
00:31:21: Es ist sicherlich möglich, mit vielleicht sehr viel Zeit an einen Tisch zu sitzen und zu hören.
00:31:27: Das ist ein iterativer Prozess.
00:31:31: Für dieses Businessmodell, das wir hatten, war es nicht möglich.
00:31:34: Wir haben 1.900 Quadratmeter gebracht mit 40 Mitarbeitern.
00:31:39: Also darf es nicht so langsam laufen, um die Rechnungen monatlich zu bezahlen.
00:31:48: Deswegen, dieses Ideal habe ich nicht gelassen.
00:31:51: Es ist schon das Ziel, dass wir selbstgeführt sein werden.
00:31:56: Aber ich habe gesehen, es braucht am Anfang mehr von uns.
00:32:02: Ja, und vielleicht ist es, das ist wahr für jede Firma, ich weiß nicht.
00:32:07: Es braucht zu definieren, was ist diese Sache, die wir in die Welt tragen.
00:32:13: Und das ist, ob wir es wollen oder nicht, das ist sehr geprägt von den Gründern einfach.
00:32:18: Es gibt eine ganze Theorie von The Source.
00:32:21: Und The Source ist für Unternehmen, aber ist eigentlich für sehr viele Projekte.
00:32:27: Wer gibt diese Energie rein von, was sollte es sein?
00:32:31: und ich glaube daran,
00:32:32: das braucht
00:32:35: diese Quelle,
00:32:36: diese Quelle, das gibt eigentlich
00:32:38: diesen Rahmen und was
00:32:40: sollte es sein und am Anfang
00:32:42: hatten wir das noch gar nicht so definiert,
00:32:44: wir sind noch im Prozess,
00:32:46: wir sind noch ganz am Anfang gestartet,
00:32:49: seit drei Monaten
00:32:50: ist MOKKA*MILCH geöffnet
00:32:53: und wir sind noch
00:32:54: da zu definieren, was sollte es
00:32:56: sein überhaupt und
00:32:58: was ist dieses
00:33:00: wo wir spielen wollen. Einmal haben wir das definiert, dann können wir loslassen,
00:33:07: dann können das Team selbst geführt sein, dann können die anfangen zu spielen. Und ich sage das
00:33:12: ganz leicht, also die können anfangen zu spielen. Also nein, eigentlich der erste Schritt ist,
00:33:17: diesen Raum zu setzen. Das zweite haben wir schon hinter uns, dass wir uns befreien von,
00:33:24: von wir müssen eigentlich alle Spiele selbst spielen.
00:33:28: Davon, ich denke, sind wir schon weit.
00:33:31: Der dritte ist, dass die lernen, überhaupt spielen zu können.
00:33:36: Und das ist für viele Leute noch mehr,
00:33:40: ich wollte sagen, noch mehr in der Gastronomie,
00:33:41: aber das ist auch eine interessante Diskussion,
00:33:46: ob es mehr in der Gastronomie oder nicht.
00:33:48: Ich sehe Gründe, warum es in der Gastronomie eigentlich schwerer sein sollte,
00:33:52: selbstgeführt zu sein.
00:33:53: Ich sehe auch Gründe, warum es eigentlich einfacher sein sollte.
00:33:57: Das ist ganz spannend.
00:34:01: Ich habe natürlich auch ein bisschen in die Gastro gejobbt,
00:34:04: so wie jeder andere, denke ich.
00:34:07: Und habe eine Weile in die Personalvermittlung gearbeitet.
00:34:10: Und in die Personalvermittlung waren erfahrene Kräfte aus der Gastro,
00:34:15: die waren überall einsetzbar.
00:34:18: Wenn du das auf deinen Lebenslauf hast,
00:34:22: dann ist das ein enormes Pro.
00:34:25: Ja.
00:34:26: Weil du stehst auf den Beinen und du musst was machen.
00:34:29: Und es muss kundenfreundlich laufen.
00:34:32: Also da kommen so viele Qualitäten zusammen.
00:34:35: Ja.
00:34:36: Genau, das sind die Gründe, warum ich denke,
00:34:39: ich habe sehr, sehr viel Hoffnung.
00:34:41: Ja.
00:34:42: Auch wenn es eine Industrie ist,
00:34:44: die, wie du sagst, sehr viel Hierarchie,
00:34:47: sehr viel Struktur hat,
00:34:48: sehr viel, wo die Lernreise ist.
00:34:55: Wir machen die von unten richtig kaputt,
00:34:58: sodass die lernen, die harte Art und Weise.
00:35:01: Du musst sehr viel sagen.
00:35:04: Wir waren richtig klein gemacht von unseren Chefs,
00:35:09: um dann die nächste Stufe hochzugehen
00:35:11: und jetzt um diese Rolle zu spielen,
00:35:13: die anderen das Gleiche zu machen.
00:35:17: Also das ist definitiv, was eine Herausforderung ist.
00:35:20: Aber dass die, viele sind in Hospitality gegangen,
00:35:27: weil die wollen diese näheren Leute,
00:35:29: weil die eine bestimmte Empathie, auch Fähigkeit haben,
00:35:33: was ein sehr, sehr wichtiger Skillset ist.
00:35:37: Ich finde es unglaublich, auch die Fähigkeit,
00:35:40: klar die Sachen zu sagen, auch.
00:35:43: Das war für mich eine sehr, sehr schwere Reise im Büro mit Büroleuten,
00:35:48: dass die sich so traut, Feedback zum Beispiel zu geben
00:35:52: oder jemanden in Kritik zu äußern.
00:35:55: Aber es ist auch ein wichtiger Teil von Selbstführung,
00:35:58: weil wenn etwas mir stört, manchmal stört mich etwas mit jemand anderem,
00:36:02: es muss geäußert sein können.
00:36:04: Und für sehr viele Leute, die können das nicht.
00:36:08: Und in Gastro ist es okay, vielleicht manchmal ist es so gewältigt,
00:36:11: es kommt raus, aber es kommt raus.
00:36:13: So richtig Feedback kommt raus, ohne Probleme.
00:36:16: Leute sprechen miteinander.
00:36:19: Und es ist ganz viel Emotion, ganz viel Leidenschaft.
00:36:22: Das sind sehr viele Leute,
00:36:29: die auch in Kontakt sind mit ihren Emotionen.
00:36:32: Vielmehr sind es viele Büroleute.
00:36:35: Also das gibt mir Hoffnung, dass es machbar ist.
00:36:39: auch wenn ich nicht naiv bin,
00:36:42: ich weiß, es wird wieder ein Reise sein,
00:36:45: es wird ein Prozess.
00:36:47: Der Mokka-Eisbar.
00:36:49: MOKKA*MILCH.
00:36:50: MOKKA*MILCH, ja, MOKKA*MILCH.
00:36:52: Es ist, als ich erzählt habe,
00:36:54: dass ich zu euch komme,
00:36:56: von den Menschen, die aus der DDR kommen,
00:36:58: die haben es fast alle gekannt.
00:36:59: Ja.
00:36:59: Also es ist eine Institution.
00:37:01: Es ist eine Institution.
00:37:03: Es ist eine Institution.
00:37:04: Und das habe ich unterschätzt,
00:37:06: auch wie wichtig dieser Ort ist,
00:37:09: für so viele Leute, ist auch
00:37:11: Symbole für
00:37:13: die schönen
00:37:15: Sachen in der DDR,
00:37:17: was sehr viele Leute vermissen,
00:37:21: sehr viel Nostalgie
00:37:23: da und für mich war auch,
00:37:25: ich habe sehr viel gelernt
00:37:26: in den letzten Monaten,
00:37:29: was für Schmerz auch
00:37:31: da ist von
00:37:33: vielen von den DDR-Leuten,
00:37:36: was die vermissen,
00:37:37: was vielleicht noch nicht abgeschlossen ist.
00:37:41: Und gefühlt können auch hier die MOKKA*MILCH kommen.
00:37:44: Und vielleicht ein bisschen ein Geschmack von wie es damals war.
00:37:50: Und vielleicht noch mehr als das.
00:37:56: Und dann ist ein Teil von deiner Urlaubszeit Zeit,
00:38:01: wo du gar nichts machst.
00:38:05: Und findest du in so einem ziemlich vollen Tag Zeit, um dich hinzusetzen und nichts zu machen?
00:38:14: Wie integrierst du das und warum?
00:38:18: Ja, also ich mache es, weil ich merke, dass ich diese Zeit zurückgewinne im Laufe meines Tages.
00:38:33: Das hört sich verrückt an, aber wenn ich diese Stunde nicht investiere,
00:38:38: dann verliere ich eine Stunde oder mehr irgendwo anderes.
00:38:43: Nicht vielleicht am ersten Tag.
00:38:45: Ich merke nicht den Impact, wenn ich einmal nicht meditiere morgens.
00:38:51: Aber wenn das über mehrere Tage geht, dann merke ich, ich bin nicht mehr bei mir.
00:38:57: Ich merke nicht gerade, was los ist bei mir.
00:39:02: Ich merke nicht, wenn ich gerade komplett uneffektiv bin und eigentlich nur am Versuchen zu machen, aber eigentlich kommt nichts raus.
00:39:10: Genau, also deswegen für mich ist es eine Art und Weise zu merken, was gerade los ist.
00:39:23: Ich bin überraschend gut geworden, dass nicht nur in der Stunde morgens, aber auch im laufenden Tag das auch so merken.
00:39:32: was für mich
00:39:34: ein riesen Geschenk ist
00:39:36: also
00:39:38: ohne das denke ich nicht, dass Selbstführung
00:39:40: passieren kann, weil wenn ich nicht weiß
00:39:43: wie es mir gerade geht
00:39:45: was ich gerade denke
00:39:46: kann ich nicht etwas angehen
00:39:48: wenn ich nicht weiß, dass ich gerade geärgert bin
00:39:51: oder etwas stört mich
00:39:52: oder was immer, kann ich das nicht
00:39:55: ändern, kann ich das nicht
00:39:56: befriedigen
00:39:58: und das ist eigentlich
00:39:59: mich selbst zu kennen,
00:40:02: was da los ist,
00:40:03: ist der Schlüssel eigentlich von allem, was ich gerade
00:40:06: gesprochen habe
00:40:08: über Selbstführung.
00:40:10: Also deswegen ist mir
00:40:12: das wahnsinnig
00:40:14: wichtig.
00:40:16: Und täglich eine Stunde
00:40:17: klingt mir mit dem Leben,
00:40:19: was du so
00:40:21: zugänglich gemacht hast,
00:40:23: das klingt mir nach
00:40:24: richtig viel Zeit.
00:40:28: Es ist interessant, weil ich bin, und du kennst das vielleicht von mir mittlerweile, du kennst mich seit einer Weile, ich bin jemand, der sich Druck macht.
00:40:41: Also ein Teil von mir ist der Druckmacher oder Druckmacherin.
00:40:48: Und für sehr viele von den Sachen, die mir in meinem Leben gut getan haben, am Anfang ist dieser Druckmacher Teil von diesem Prozess.
00:40:55: Ich weiß nicht, ob das verständlich ist.
00:40:58: Sehr verständlich.
00:40:59: Genau. Und am Anfang für mich Meditation war,
00:41:03: Natacha hat gesagt, es wird meditiert,
00:41:06: deswegen ist es auf die To-Do-List,
00:41:08: das ist mein Ziel, es wird abgehakt,
00:41:11: ich meditiere.
00:41:13: Und es ist das Gleiche mit Sport,
00:41:15: es ist das Gleiche mit anderen Sachen,
00:41:17: die mir gut tun.
00:41:19: Und mittlerweile ist es komplett anders.
00:41:21: Mittlerweile ist es nicht,
00:41:23: dass ich aufstehe zum Meditieren,
00:41:25: weil ich diesen Druck
00:41:26: oder ich bin diszipliniert.
00:41:30: Das, was ich Druck mache, ist auch die Disziplin in mir.
00:41:35: Mittlerweile entscheide ich jeden Tag neu.
00:41:39: Der Wecker geht an und ich entscheide, was will ich.
00:41:44: Wäre es besser, für mich heute noch eine Stunde länger zu schlafen
00:41:48: oder es tut mir besser, aufzustehen und zu meditieren.
00:41:52: Und ich muss sagen, 98 Prozent von dem Mal ist die Antwort,
00:42:00: es ist gerade besser, so aufzustehen.
00:42:02: Tut mir gut.
00:42:04: Aber es sind bewusste Entscheidungen.
00:42:05: Das war am Anfang nicht der Fall.
00:42:08: Ich bin jemand, der es am Anfang braucht, um in diesem Rhythmus zu erkennen.
00:42:14: Mit welchen Erwartungen bist du am Anfang rangegangen?
00:42:17: Wie kommst du auf so eine Idee?
00:42:21: Interessant, weil ich hatte am Anfang nicht so viele Erwartungen, was sehr hilfreich war.
00:42:28: Mittlerweile ist es noch mehr, wenn ich gehe in die Retreats,
00:42:33: das ist ein Hindernis, dass ich es schwer habe, komplett die Erwartungen auszuschalten.
00:42:38: Die ersten Retreats waren dafür erwartungslos und das ist viel besser,
00:42:45: weil dann war ich sehr offen für alles, was passieren würde.
00:42:51: ja, und dann passiert Magie
00:42:53: und dann kommt der nächste Retreat
00:42:55: und dieses Mal sollte auch ein bisschen Magie passieren
00:42:57: Adriaan, komm
00:43:00: ich muss dann in dir Magie
00:43:04: herbeizaubern
00:43:04: was komplett verrückt ist
00:43:07: aber das ist
00:43:09: genau
00:43:11: das loszulassen von
00:43:13: der Erwartung ist
00:43:15: ein wichtiger Teil davon
00:43:17: und so ein Retreat,
00:43:19: du machst ja zehn Tage Retreat,
00:43:22: wie
00:43:23: organisierst du mit so einem Leben
00:43:25: zehn Tage
00:43:26: offline, also nicht nur
00:43:28: Digital Detox, sondern ich bin einfach
00:43:31: weg,
00:43:33: komplett weg.
00:43:35: Wie kriegst du das überhaupt
00:43:37: hin?
00:43:39: Also,
00:43:41: Alex, mein Mann, ist ein großer, großer Teil
00:43:43: davon.
00:43:44: Du weißt schon, ich habe den Traum, irgendwann in einen Retreat fahren zu können mit ihm.
00:43:49: Gerade ist es noch nicht möglich, weil er ist der Grund, warum ich das machen kann.
00:43:53: Weil ich weiß, er hat die Kinder und ich weiß, wenn er die Kinder hat, kann ich komplett loslassen, weil die sind in guten Händen.
00:44:02: Ich weiß auch, dass für die Firma, also nicht nur Alex, sondern das komplette Team, das meine Rücken frei hält.
00:44:09: Ohne ich weiß, wenn es richtig, richtig wichtig ist,
00:44:12: dann werde er mich anrufen.
00:44:16: Oder er werde dich an Nachrichten schicken und sagen,
00:44:19: hol deine Tasche wieder raus.
00:44:22: Deswegen, ich kann komplett in Ruhe gehen und wissen,
00:44:25: der Weltkrieg geht nicht unten.
00:44:28: Ich denke, ich bin nicht so wichtig.
00:44:31: Ich denke, wir tun uns,
00:44:34: und das ist oft etwas, das ich vergesse,
00:44:36: in meinem täglichen Leben.
00:44:37: Ich mache mir selbst manchmal verrückt.
00:44:39: Wenn ich das jetzt nicht mache, dann
00:44:41: oh, ja, aber
00:44:43: dann ist es auch gut, diese Erfahrung
00:44:46: zu haben. Ich kann komplett wegfallen von
00:44:47: dem Planeten, den Tage lang und
00:44:50: die Welt geht nicht unter, die Firma geht
00:44:52: nicht unter, die Kinder gehen nicht unter.
00:44:53: Alles läuft wie vorher und manchmal noch besser.
00:45:00: Was macht es mit, ja, naja,
00:45:02: was macht es mit der Firma, ist
00:45:04: vielleicht nicht mal so eine wichtige
00:45:06: Frage, weil ihr führt
00:45:08: die Firma zu zweit und wenn
00:45:09: ein weg ist, ist die Führung noch immer da.
00:45:12: Ja, aber
00:45:14: es ist auch,
00:45:16: dass
00:45:18: das Team da ist.
00:45:20: Also mit Mokkas sind wir noch
00:45:22: nicht 100% da,
00:45:24: aber wir sind auf dem Weg.
00:45:26: Also gerade gegründet und wir sind schon
00:45:28: diesen Sommer in den Urlaub
00:45:29: gefahren, wo alle
00:45:32: haben gesagt, seid ihr verrückt, also könnt ihr eigentlich
00:45:34: das nicht einfach so lassen. Und ich so, ja,
00:45:35: Wir vertrauen dem Team.
00:45:38: Also wenn ich dem nicht zutraue,
00:45:42: mit meinem neuen Baby,
00:45:43: dann wem doch.
00:45:47: Und wenn ein Unternehmer das hört
00:45:50: und denkt,
00:45:52: in die Richtung würde ich auch gerne gehen,
00:45:54: aber ich weiß nicht mal, wo anzufangen.
00:45:57: Wo fängt man an?
00:45:58: Bei sich selbst.
00:46:00: Ich denke, das ist oft ein großes Problem.
00:46:04: Unternehmen sagen, das hört sich alles super, weil ansonsten alle Probleme landen bei mir.
00:46:10: Ich möchte irgendwann auch nur Teilseite arbeiten.
00:46:13: Ich möchte Sachen loswerden.
00:46:15: Diese dummen Arbeiter sollten endlich Verantwortung tragen und kommen.
00:46:20: Die sollten dann sicher arbeiten, sodass die endlich auch mehr Verantwortung nehmen.
00:46:24: Und das sehe ich immer wieder.
00:46:26: Ja, dass die, die holen sich Berater rein oder Coaches und sagen, bitte mach, dass die, ja, die ganze Truppe anfängt, mehr Verantwortung zu nehmen.
00:46:36: Und das ist falsch, ja, weil es startet nicht mit dem, es startet mit sich selbst.
00:46:40: Und so, das ist, ja, wie gesagt, das ist die anstrengende Reise, das ist der, das ist die echte Arbeit.
00:46:48: Gibt es da ein Buch, was du empfiehlst oder ein Kurs oder ein Netzwerk?
00:46:55: Ja, es gibt sehr viele Sachen.
00:46:58: Also für mich meine Inspiration,
00:47:00: und ich habe gesprochen mit sehr vielen Unternehmern
00:47:03: von selbstgeführten Organisationen,
00:47:06: und dieses Buch wird immer wieder genannt.
00:47:08: Das ist Reinventing Organization von Frédéric Laloux.
00:47:13: Aber es ist ein Inspirationsbuch.
00:47:15: Es ist, um diese Welt zu malen,
00:47:17: wie kann das überhaupt sein?
00:47:21: Es ist kein Manual.
00:47:21: Es ist kein Manual.
00:47:23: Das ist, lass dich hängen mit
00:47:24: dieser schönen Welt.
00:47:27: Das
00:47:30: macht alles Sinn.
00:47:32: Aber es ist kein Manual.
00:47:33: Es gibt einige Manuals,
00:47:35: aber
00:47:38: ich weiß nicht, ob die so...
00:47:40: Also es sind immer Sachen,
00:47:41: die eine Rolle spielen.
00:47:44: Zum Beispiel, ich muss lernen,
00:47:45: loszulassen. Ich muss lernen,
00:47:49: zu merken,
00:47:49: was bei mir los ist.
00:47:51: und damit etwas zu machen.
00:47:53: Und ich sitze in einem Gespräch und merke,
00:47:55: im Kopf denke ich,
00:47:57: okay, das wird nicht,
00:47:58: das Person kann diese Arbeit nicht machen,
00:48:00: das überhaupt zu merken.
00:48:01: Und was mache ich mit dieser Information?
00:48:03: Sprich ich es an?
00:48:04: Finden wir eine Lösung dafür?
00:48:06: Ja, so diese ganzen Sachen,
00:48:08: um nur ein Beispiel von sehr, sehr viel zu nennen.
00:48:11: Also das ist, genau,
00:48:14: also es sind ein paar Sachen,
00:48:15: das immer ähnlich sind,
00:48:18: aber am Ende des Tages ist es ein sehr,
00:48:20: Wie vielleicht ein Befreiungsweg auch ist, es ist eine sehr persönliche Reise.
00:48:28: Also auch dafür gibt es auch Bücher, gibt es Anleitungen, dass man könnte folgen.
00:48:38: Aber es reicht nicht, dass die durchzulesen.
00:48:42: Da muss man die erfahren, muss man die fühlen.
00:48:47: Wie gesagt, ich habe dir das schon öfters gesagt,
00:48:50: sehr viele Parallelen zwischen dem verpassenden Weg
00:48:55: und dem selbstgeführten Unternehmerweg.
00:48:58: Okay.
00:48:58: Also was ich sehe bei Meditation,
00:49:02: das ist, man muss es zusammen machen.
00:49:06: Und das ist für viele Menschen ein Hindernis,
00:49:08: das sie kaum nehmen können.
00:49:11: Da ist schon noch eine Bereitschaft,
00:49:13: wenn ich irgendwie in Kontakt mit einem Lehrer
00:49:15: sein kann, aber am liebsten eins auf eins.
00:49:20: Okay, davon sehe ich
00:49:21: das nützt, aber um mit anderen Menschen
00:49:23: in einer Saal zu sitzen,
00:49:25: viel zu unbequem.
00:49:28: Was soll ich ja
00:49:29: mit und von den anderen lernen?
00:49:33: Und ich merke immer wieder,
00:49:35: was für eine massive
00:49:37: Wirkung es hat auf Menschen,
00:49:39: um gemeinsam in einem Raum
00:49:42: zu meditieren.
00:49:43: Und wie ist das dann mit diesen selbstführenden Unternehmen? Gibt es Netzwerke? Trefft ihr euch?
00:49:52: Ja, es gibt Netzwerke. Also ein Netzwerk, das spezifisch selbst organisiert ist, ist Corporate Rebels. Also die sind noch klein, aber es ist eine Bewegung, die in der Welt geht. Und ansonsten, also ich denke, diese ganze Organisation, wo Unternehmer können sich zeigen, können verletzlich sein, können teilen.
00:50:13: Also ich bin in der Entrepreneurs-Organisation, gibt es auch YPO, Young Presidents Organisation, also gibt es mehrere von diesem Netzwerk, weil kommt immer das Gleiche so raus. Das Learning dahinter ist, wenn nicht nur Unternehmer, alle, wenn es uns gut geht, dann können wir etwas Gutes tun.
00:50:37: Wenn es uns gut geht, geht es unserer Familie gut. Wenn es uns gut geht, geht es unseren Firmen auch gut. Und diese Organisationen fokussieren sich auf Unternehmer oder Führungskräfte, weil dieser Ripple-Effekt, wenn es mir gut geht, können meine Firmen mit vielleicht tausenden von Mitarbeitern auch gut gehen und dadurch verändern sie sich und können das weiter in der Welt tragen.
00:51:04: also es ist skalierbar
00:51:06: sozusagen
00:51:09: aber das ist
00:51:10: die gleichen Prinzipien eigentlich als für jeden
00:51:12: anderen, also ich kann nicht
00:51:14: eine gute Mutter sein, wenn ich
00:51:16: selbst mehr nicht gut fühle
00:51:18: das ist nicht nur unternehmen
00:51:25: Gibt es
00:51:26: erstmal danke für deine Offenheit
00:51:29: und was du so
00:51:31: was du damit zeigst
00:51:33: Ich hoffe, dass es Menschen inspiriert,
00:51:36: um nicht einfach weiterzumachen, so wie wir machen,
00:51:38: weil wir das immer schon machen,
00:51:40: in einer Zeit, wo alles in Umbruch ist.
00:51:45: Ich denke, dass wir uns alle trauen müssen,
00:51:49: um die Mut zu haben, was ist eigentlich sinnvoll auf dieser Welt
00:51:53: und was möchte ich eigentlich in diese Welt bringen.
00:51:56: Und Arbeit kann nicht nur sein,
00:51:58: ich gehe da hin und am Ende des Monats kriege ich Geld,
00:52:02: sondern das ist ein Beitrag an der Welt.
00:52:05: Oder ein Teil von einem Beitrag an der Welt.
00:52:07: Die Hälfte von unserer wachen Stunde.
00:52:11: Also das zu verbringen,
00:52:13: in Blödsinn zu machen,
00:52:15: dass es keinen Spaß macht.
00:52:17: Also ich hoffe niemand,
00:52:18: ich wünsche das für niemanden.
00:52:20: Ja, genau.
00:52:22: Und um da Wege zu finden,
00:52:26: das einfach besser zu organisieren.
00:52:30: Ich fand das sehr schön.
00:52:31: Ich war bei euch im Restaurant und da ist dann jemand bedient uns.
00:52:37: Und das ist eine Persönlichkeit.
00:52:40: Also das ist nicht ein Kellner in einem Uniform, sondern das ist eine Persönlichkeit.
00:52:45: Und er hat sich auch getraut, den komplett zu zeigen.
00:52:52: Und alles, was wir tun können, um Menschen einzuladen, um sich selbst zu sein,
00:52:58: Und sich einzubringen und mitzudenken und die Pain Points mit anzugehen.
00:53:05: Ja, das sollen wir eigentlich unseren Kindern in die Schule beibringen.
00:53:09: Das ist so eine wichtige Sache und das ist nicht Teil von dem Bildungssystem,
00:53:13: das ist einfach verrückt. Das ist die Basis für alles andere.
00:53:17: Ja, du hast den Kindern schon was Gesundes zu essen gegeben.
00:53:21: Genau, deswegen war für mich immer die Frage, was braucht der Welt?
00:53:25: Damals habe ich ja auf die physische Gesundheit
00:53:28: und jetzt mit MOKKA*MILCH habe ich gemerkt,
00:53:30: nein, wir müssen viel mehr an dieser
00:53:32: mentalen Gesundheit, dieser gesellschaftlichen
00:53:34: Gesundheit.
00:53:35: Das ist ein viel wichtiger Thema.
00:53:38: Das hat sich für mich
00:53:40: auch entwickelt über diese Erfahrung
00:53:42: von der Transformation,
00:53:44: die kulturelle Transformation,
00:53:45: die wir gemacht haben.
00:53:47: Das war mir nicht vorher so klar,
00:53:48: aber jetzt sehe ich, wie wichtig es ist,
00:53:51: daran zu arbeiten.
00:53:53: Gibt es etwas, was wir nicht thematisiert
00:53:55: haben, das du ansprechen möchtest?
00:54:01: Jetzt, weil du hast gesagt, die
00:54:03: Kinder zeigen sich.
00:54:06: Ich finde es schade,
00:54:08: dass sie zeigen sich
00:54:09: und manchmal werden die gar nicht
00:54:11: gesehen.
00:54:14: Ich würde gerne Leute
00:54:15: einladen,
00:54:17: nicht nur sich zu zeigen,
00:54:20: aber auch anderen
00:54:21: richtig zu sehen und nicht nur
00:54:23: die besten Freunde oder die Kinder
00:54:25: aber die Teller
00:54:28: kommen nicht einfach bei Magie
00:54:29: das ist ein Mensch, ein Mensch mit Gefühlen
00:54:32: mit ganz viel
00:54:34: dahinter und das
00:54:35: macht mich richtig traurig manchmal zu sehen
00:54:39: wie Leute umgehen
00:54:42: mit
00:54:43: anderen Menschen
00:54:45: noch mehr in eine Umgebung wollen
00:54:48: mein Kellner dient mich
00:54:49: ich kann Leute schlecht behandeln
00:54:52: und ja
00:54:53: Also einen Aufruf vielleicht mache ich,
00:54:57: nicht nur sich zu zeigen,
00:54:59: aber richtig andere Leute zuzugucken,
00:55:02: für wer die sind, also der Mensch dahinter
00:55:04: und nicht gerade der Uniform oder die Rolle,
00:55:07: die sie fühlen, aber wer der Mensch dahinter ist.
00:55:09: Mir fällt eine Szene ein,
00:55:11: ich war mit einer Freundin in einem Supermarkt
00:55:13: und wir laufen auf der Kasse zu
00:55:15: und an der Kasse sitzt ein Kerl mit solchen Armen,
00:55:18: voll tätowiert, also wirklich komplett,
00:55:21: ein echt besonderer Mann,
00:55:25: und wir sehen uns, Augenkontakt,
00:55:28: er behelft jemand anderes, wir gehen langsam hin,
00:55:30: nochmal Augenkontakt, er sagt etwas,
00:55:34: was in die normale Dialog von der Kasse ist
00:55:36: und ich gebe eine Antwort, was in die normale Dialog passt
00:55:39: und wir stecken beide gleichzeitig die Hand aus.
00:55:43: Und wir geben uns die Hand und wünschen uns einen schönen Tag
00:55:47: und gehen wieder.
00:55:49: Und das ist Gänsehaut.
00:55:52: Das braucht nicht viel mehr.
00:55:53: Es ist nicht schwer,
00:55:57: diese menschlichen Kontakte
00:55:59: zu erstellen,
00:56:00: aber wir haben es verlernt.
00:56:02: Und das ist ein Großteil, was wir versuchen,
00:56:03: in MOKKA*MILCH zu machen.
00:56:04: Also Leute wieder
00:56:07: eine Umgebung geben,
00:56:08: wo dieser menschliche Kontaktzustand
00:56:11: kommen kann.
00:56:12: Das ist nicht nur getan durch ein Restaurant,
00:56:15: durch die Events, die wir machen,
00:56:17: dass Leute richtig in Kontakt miteinander kommen.
00:56:19: Und wenn ein Kerner bei dir
00:56:21: die Gewohnheit entwickeln würde,
00:56:24: um die Gäste in die Hand zu geben und sie dann
00:56:26: zu Tisch zu führen. Was würde passieren
00:56:28: bei dir? Bei mir? Ja.
00:56:30: Ich würde so glücklich sein.
00:56:33: Aber gerade
00:56:35: probieren wir bestimmte Sachen,
00:56:36: sind Leute, die ärgern sich, weil wir die
00:56:39: duzen zum Beispiel, weil uns
00:56:40: wird geduzt, weil wir wollen keine
00:56:42: Distanz erschaffen.
00:56:45: In Sisu sprechen,
00:56:46: schafft eine Distanz.
00:56:48: Wir nennen die Leute von Erstenama,
00:56:50: Wenn Adriaan einen Tisch reserviert hat,
00:56:52: dann willkommen, Adriaan, schön, dass du da bist.
00:56:55: Und manche Leute
00:56:56: sind richtig genervt davon.
00:56:58: Die finden das nicht gut.
00:56:59: Sie sollen mir Sitz und Herr so und so nennen.
00:57:04: Deinen Platz kennen.
00:57:06: Das ist so Blödsinn.
00:57:09: Menschen treffen auf Menschen.
00:57:10: Und das ist eine schöne Sache.
00:57:11: Wenn man in ein Restaurant kommt und man denkt,
00:57:13: dass der Kerl seinen Platz
00:57:15: kennen muss, das ist dann der Person,
00:57:17: der dich deinen Platz zeigt.
00:57:19: Ganz genau.
00:57:21: Das werden wir nutzen.
00:57:25: Das finde ich sehr gut.
00:57:28: Ich bin so dankbar und erfreut,
00:57:34: um mit Menschen zu sein,
00:57:35: die bereit sind, zu arbeiten an Kulturveränderung.
00:57:41: Und das sind oft so kleine Sachen.
00:57:46: Die Niederländer, wo ich aufgewachsen bin,
00:57:48: Ich bin da ja seit so langem weg,
00:57:50: dass ich nicht mehr mit der Autorität sprechen kann,
00:57:53: wie es in den Niederlanden läuft.
00:57:56: Aber wir haben uns geduldet, alle.
00:57:59: Also sogar die Polizei.
00:58:03: Und wir haben Menschen eigentlich nur gesiezt,
00:58:06: wenn wir sie nicht mögen.
00:58:11: Das ist ein Zeichen von Distanz.
00:58:14: Ich möchte mit dir nichts zu tun haben.
00:58:16: Ja, danke für die gemeinsame Zeit.
00:58:24: Ja, danke dir. Es macht immer Spaß mit dir zu sprechen.
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