Vom Leistungssport zur inneren Ruhe

Shownotes

Wie lässt sich Meditation in einen vollen Alltag mit Familie, Beruf, Sport und Verantwortung integrieren? Andreas spricht über seinen Weg vom Leistungssport zur täglichen Vipassana-Praxis, über Präsenz in Familie und Beruf, Disziplin, Widerstände, Wut, Freiheit und Vertrauen.

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00:00:00: Also beim Sport ist es häufig so, über die Ermüdung auch irgendwo zur Klarheit

00:00:05: zu kommen,

00:00:09: in einen gewissen Flow zu kommen.

00:00:12: Einmal die Erfahrung, die ich als Sportler gemacht habe,

00:00:15: aber auch die Erfahrung, die ich in der Meditation gemacht habe.

00:00:24: Beides zusammen hat für mich eine unheimliche Kraft, um durch den Alltag zu

00:00:34: kommen.

00:00:39: Andreas, du hast eine Physiotherapiepraxis mit Angestellten,

00:00:46: du hast auch eine Sportschule oder du begleitest Athleten,

00:00:54: Du hast eine Familie, zwei Kinder und seit sechseinhalb Jahren sehe ich dich

00:01:00: jeden Tag oder fast jeden Tag morgens um sechs in der geführten Meditation.

00:01:07: Wie kriegst du das alles unter einen Hut?

00:01:19: Das hat sich einfach so entwickelt. Ich glaube, dass die Disziplin, die ich so

00:01:30: in vielen Dingen reinbringe, sich immer ein Stück weit weiterentwickelt hat.

00:01:40: und ich für mich immer wieder geschaut habe, was mir selber gut tut und was

00:01:49: mir wichtig ist.

00:01:59: Die Meditation ist ein wichtiger Punkt, um meinen Alltag wirklich gut

00:02:11: gestalten zu können.

00:02:15: Also das ist für mich ein Anker.

00:02:23: Und ja, auch ein Entwicklungsprozess.

00:02:28: Das war bei den ersten Besuchen, die ich bei dir, bei euch gehabt habe, noch

00:02:37: nicht so in Fleisch und Blut übergegangen, wie das jetzt ist.

00:02:45: Also es ist immer irgendwie was dazu gekommen und ich habe einfach auch

00:02:52: gemerkt, dass ich die Dinge festigen muss, wenn ich den Zustand, den ich habe,

00:03:00: wenn ich in einem Retreat bin, beibehalten möchte und ein gewisses Level haben

00:03:08: möchte.

00:03:09: und das ist ein Prozess und ein Weg.

00:03:20: Wie mein ganzes Leben irgendwo ein Weg ist,

00:03:23: gehört die Meditation mit zu diesem Weg.

00:03:35: Ich weiß, dass das auch noch nicht zu Ende ist

00:03:37: Und ich merke, dass ich, je länger ich dabei bin, dass ich das immer mehr in

00:03:49: meinen Alltag integrieren kann.

00:03:55: Also unabhängig jetzt von der morgendlichen Meditation, ist es so, dass ich

00:04:04: abends vielleicht mal für zehn Minuten sitze und auch während der Arbeit, wo

00:04:13: ich dann mal vielleicht zehn Minuten habe, sitze.

00:04:25: Und weiß einfach, dass ich, selbst wenn ich nur eine kurze Zeit habe,

00:04:31: anders wieder an meine Aufgaben gehen kann, die ich sonst so halt eben noch

00:04:39: habe.

00:04:40: Und was machst du, wenn du sitzt?

00:04:45: Was übst du?

00:04:53: Ja, als erstes ist es eigentlich so, dass ich versuche, wieder Kontakt zu

00:04:58: meinem Atem zu bekommen.

00:05:06: Je nachdem, wie und was gewesen ist, gelingt mir das mal mehr gut oder mal

00:05:14: weniger gut.

00:05:16: Gut, das ist dann so, wie es ist, aber manchmal braucht es auch eine Zeit.

00:05:22: und ich sitze und es schwirren ganz viele Gedanken und merke dann auch

00:05:29: vielleicht erst nach drei, vier Minuten,

00:05:34: was eigentlich passiert und versuche so langsam über die Atmung Kontakt mit

00:05:45: meinem Körper aufzunehmen.

00:05:50: meinen Körper zu spüren und zu fühlen.

00:05:58: Ja, und auch das gelingt mal besser, mal schlechter,

00:06:02: wenn man es bewerten soll oder wenn ich es bewerten sollte.

00:06:08: Das finde ich dann auch mal weniger gut

00:06:10: und mal ist das auch in Ordnung für mich.

00:06:17: Ja, und eigentlich ist es jedes Mal, jedes Sitzen anders.

00:06:23: Es ist nie, nie gleich.

00:06:27: Und manch einer, der das hört, wird vielleicht denken,

00:06:32: der Mann ist Sportler, der ist Physiotherapeut, der begleitet Sportler,

00:06:37: der kennt seinen Körper, der kann seinen Körper doch spüren.

00:06:40: Was macht er dann? Was ist es mehr als das?

00:06:45: Oder anders?

00:06:49: also

00:06:59: ja also früher war es so dass ich über über die bewegung zum spüren und zum

00:07:07: fühlen gekommen bin

00:07:16: und das eigentlich eher unbewusst nicht

00:07:20: bewusst aber ich habe halt über die

00:07:24: bewegung gemerkt dass ich klarer werde in den dingen die ich tue

00:07:41: irgendwann habe ich schon gemerkt dass das ist dass es mehr ist oder dass es

00:07:46: mehr geben muss

00:07:47: was was dazugehört und also für mich persönlich ist es so dass ich die

00:07:59: bewegung den sport nicht

00:08:03: unbedingt trennen kann vom vom sitzen und meditieren also beides hat für mich

00:08:12: eine

00:08:13: wichtigkeit und im grunde bin ich

00:08:18: über die bewegung zum meditieren gekommen

00:08:32: das ist im grunde auch das was ich eigentlich den leuten die hierher kommen

00:08:39: vermitteln, dass es mehrere Wege gibt, zu sich zu kommen.

00:08:46: Einmal die Erfahrung, die ich als Sportler gemacht habe,

00:08:49: aber auch die Erfahrung, die ich in der Meditation gemacht habe.

00:08:57: Und beides zusammen hat für mich

00:09:02: eine unheimliche Kraft,

00:09:07: durch den Alltag zu kommen.

00:09:10: Und wenn du Sport kennst

00:09:12: und du kennst Körper

00:09:14: und hast Zugang zu Gefühlen

00:09:15: über Sport,

00:09:17: wenn das funktioniert,

00:09:19: warum dann auch in Stille sitzen?

00:09:27: Oder wie bist du dazu gekommen,

00:09:29: dann auch in Stille zu sitzen?

00:09:42: Also das eine ist,

00:09:45: also beim Sport ist es häufig so,

00:09:48: über die Ermüdung auch irgendwo zur Klarheit zu kommen,

00:09:54: in einen gewissen Flow zu kommen.

00:10:03: das

00:10:10: Das Schöne am Meditieren ist also: Ich brauche nicht mehr diese Ermüdung, um

00:10:17: klar zu werden.

00:10:23: und das also die meditation als solches macht es für mich dann noch mal

00:10:29: wertvoller in kombination

00:10:32: miteinander.

00:10:42: Als junger Mensch

00:10:46: wäre die Meditation

00:10:49: als Einzelnes

00:10:51: für mich nicht der Weg gewesen.

00:10:54: Ich brauchte

00:11:00: diesen Weg

00:11:02: und Belastung, um dahin zu kommen, dass ich irgendwann in Stille sitzen

00:11:11: konnte.

00:11:17: Und jetzt in deinem Alltag: Du sitzt da morgens um sechs.

00:11:25: du hast da ein oder zwei Kinder,

00:11:27: die mit dir auf der Couch rumsitzen.

00:11:30: sitzen,

00:11:31: Die Älteste hat tendenziell mitgesessen,

00:11:33: mitgelegen; die Jüngste

00:11:36: scheint dich eher wie einen Baum

00:11:37: zu beklettern, während du da

00:11:39: so sitzt und dann läuft

00:11:41: da noch ein junger Hund rum

00:11:43: und

00:11:45: deine Frau sitzt vielleicht

00:11:47: im Nebenraum oder

00:11:49: bereitet Frühstück für die Familie,

00:11:52: Wie ist das

00:11:55: Morgenmeditation? Und

00:11:56: wie

00:12:00: bleibst du da seit sechseinhalb Jahren

00:12:03: dabei, unter solchen Umständen?

00:12:04: Was passiert da?

00:12:16: Also auch das ist ein Prozess.

00:12:18: Ich habe mich

00:12:19: zu Anfang habe ich mich

00:12:22: also

00:12:24: diese morgendliche Zeit

00:12:26: in Stille zu sitzen und

00:12:29: dann so in diesen Morgen

00:12:30: zu starten

00:12:32: das war

00:12:34: also das ist für mich

00:12:36: sehr wichtig

00:12:37: und

00:12:42: ich

00:12:44: musste mich schon erstmal

00:12:46: sehr daran gewöhnen, dass

00:12:51: diese Stille und bei sich sein

00:12:53: immer wieder unterbrochen wird.

00:13:01: Ja und das ist,

00:13:05: dass ich damit,

00:13:06: also dass das einfach da sein darf

00:13:10: und ich das dann so annehme,

00:13:14: wie es ist,

00:13:15: Das ist einfach auch ein Prozess gewesen.

00:13:18: Das sind die stillen Zeiten, die ich in Vipassana habe,

00:13:24: die mich zu dieser Einstellung gebracht haben,

00:13:28: dass das dann so da sein darf.

00:13:39: Wenn ich es dann bewerten würde,

00:13:43: dann gelingt es mir natürlich mal gut, mal nicht so gut.

00:13:48: Und ich spüre natürlich auch, was manchmal in mir aufsteigt.

00:13:56: Aber das ist im Grunde der Alltag.

00:14:01: Es sind ja immer wieder Situationen, die einem im Alltag begegnen,

00:14:05: wo das nicht so läuft, wie man sich das wünscht.

00:14:10: Und das gehört zum Leben dazu.

00:14:14: ja und ich bin einfach auch im glauben dass meine kinder auch irgendwas davon

00:14:22: mitnehmen

00:14:24: und sowieso sicher auch davon profitieren auch wenn also wenn auch wenn sie

00:14:33: nicht selber sitzen

00:14:35: aber der Alltag wird vielleicht insgesamt ruhiger,

00:14:41: trotz manchmal morgendlicher Chaos.

00:14:46: Und wie gehst du um mit dieser Stimme in deinem Kopf,

00:14:49: die wahrscheinlich immer mal wieder da ist,

00:14:51: von ich will, dass es endlich eine Stunde oder eine halbe Stunde still ist.

00:14:57: Wie gehst du um mit dieser Stimme?

00:15:18: Wenn er überhaupt da ist.

00:15:20: Ja, doch, die Stimme ist auf jeden Fall da.

00:15:22: Die ist nicht immer da.

00:15:26: Es hängt dann einfach auch davon ab, wie ich mich fühle.

00:15:37: Kann ich das einfach annehmen und es ist eine gewisse Leichtigkeit da und

00:15:42: Freiheit da

00:15:43: und auch Dankbarkeit da, dass das Leben

00:15:48: hier ist, dass die Kinder da sind.

00:15:55: Aber das ist nicht immer gleich.

00:15:58: Hin und wieder steigt dann natürlich auch Wut auf.

00:16:04: Vielleicht bedauere ich mich dann auch selber irgendwo in dem Moment,

00:16:08: wo ich dann denke, es wäre so schön, wenn ich jetzt einfach hier eine Stunde

00:16:12: in Ruhe sitzen kann

00:16:13: und dann mit dem Tag beginnen kann.

00:16:21: Ich glaube, im Grunde geht es auch für die Leute, die nicht meditieren,

00:16:28: denen geht es allen irgendwie gleich.

00:16:32: Irgendwann fängt der Tag an und die Kinder sind da

00:16:36: und die Bedürfnisse müssen befriedigt werden.

00:16:43: Es gehört zu einem Familienleben dazu.

00:16:50: was denkst du, dass für dich, für euch

00:16:53: da anders ist

00:16:55: weil du täglich sitzt

00:17:01: oder was wäre bei euch anders

00:17:05: wenn du, wenn ihr nicht sitzen würdet

00:17:18: Also ich glaube...

00:17:40: dass es eine enorme Kraft hat.

00:17:56: Ich sehe meine Kinder viel bewusster. Ich glaube, das würde ich definitiv

00:18:02: nicht sehen, wenn ich

00:18:04: nicht meditieren würde. Ich kann nicht sagen, dass ich immer da bin, wenn ich

00:18:13: zu Hause bin

00:18:15: und die Kinder sind da, aber ein Großteil der Zeit, wo wir als Familie

00:18:25: zusammen sind, bin ich da.

00:18:33: kann meine Kinder sehen und auch spüren.

00:18:59: Und ich bin mir sicher, dass ich das nicht könnte.

00:19:15: Und ich weiß auch,

00:19:23: dass es unsere Familie so als solches

00:19:27: nicht geben würde.

00:19:32: wenn ich nicht meditieren würde.

00:19:37: Hätte

00:19:39: deine Ehe das nicht überlebt?

00:19:46: Ich denke nicht, nein.

00:19:55: Und was ist da

00:19:57: die wirksame Kraft.

00:20:40: Einmal zu spüren, was im Körper los ist,

00:20:44: was aktuell ist und auch das zu

00:20:48: spüren und zu fühlen, was drumherum ist.

00:20:56: Also im Hier und Jetzt zu sein, also wirklich präsent zu sein und da zu sein

00:21:05: und einfach auch die Dinge zu fühlen und zu fühlen, die in dir sind.

00:21:20: Darüber kann ich auch das, was von außen herangetragen wird, miteinander

00:21:27: verarbeiten. Ich weiß

00:21:29: nicht, wie ich es besser beschreiben kann. Es ist einfach eine Klarheit, die da ist.

00:21:38: und die Dinge, die Signale, die dein Körper dir sendet

00:21:44: und diese Signale auch irgendwo einordnen zu können

00:21:48: und zu schauen, was braucht es für mich,

00:21:55: aber auch was braucht es für mein Umfeld.

00:22:03: Ich würde sagen, bevor ich angefangen bin zu meditieren,

00:22:10: war es so, dass ich häufig einfach die Schotten zugemacht habe

00:22:18: und geschwiegen habe oder in irgendwas geflüchtet bin.

00:22:30: Und das ist etwas, was ich so

00:22:36: in der Form, glaube ich, nicht mehr tue.

00:22:46: Ich kann einmal das kommunizieren, was ich brauche,

00:22:54: weil ich einfach auch spüre und weiß, was ich brauche.

00:23:02: Ich kann die Dinge besser einordnen, die von außen an mich herangetragen werden,

00:23:12: und das dann besser und klarer filtern.

00:23:22: Außer Bild läuft gerade die Familie vorbei.

00:23:28: Und der Hund versucht sich neu zu orientieren von was ist jetzt Sache.

00:23:39: Ich kenne dich als jemanden, der gerne und viel arbeitet,

00:23:45: die in der Arbeit große Pläne hast.

00:23:47: Du bist irgendwie immer was Neues am Bauen.

00:23:53: Was ist da dein Antrieb?

00:24:19: Also,

00:24:21: mein Antrieb ist

00:24:24: der, dass ich

00:24:25: das, was ich so in meinem Leben erfahren habe, eigentlich gerne weitergeben möchte.

00:24:36: Und ich bin, glaube ich, schon

00:24:40: jemand, der gerne Menschen unterstützt dabei,

00:24:50: dass es ihnen gut geht.

00:24:55: und meine eigenen lebenserfahrung die ich gesammelt habe sowohl im sport als

00:25:08: auch

00:25:13: in meinem Leben sonst so möchte ich gerne weitergeben.

00:25:23: Mein Wunsch ist es, dass ich den Leuten, die hierher kommen,

00:25:27: eine Möglichkeit gebe, sich körperlich und geistig weiterzuentwickeln.

00:25:36: Und das treibt mich an.

00:25:40: Ja, so würde ich es sehen.

00:25:48: Was empfindest du in deinem Leben als deine Hindernisse? Was macht das Leben

00:25:53: schwierig, schwer?

00:26:35: Also ich glaube, dass mein Wille und meine Sturheit das Ganze manchmal

00:26:47: kompliziert machen.

00:26:53: Das ist sicher mal positiv, aber auch häufiger mal negativ.

00:27:08: Ich glaube, ich lasse mich in einem gewissen Rahmen häufiger von Dingen begeistern

00:27:17: und versuche die dann in die Umsetzung zu bringen,

00:27:20: weil das vielleicht im Moment gerade nicht der richtige Zeitpunkt dafür ist.

00:27:42: Mir fehlt, glaube ich, das öftere Mal eine Struktur.

00:27:56: Weil so viele Dinge in meinem Kopf herumschwieren.

00:28:06: Und ich dann nicht den Zeitpunkt finde, das zu sortieren.

00:28:14: Und wie siehst du das in Bezug zur Disziplin?

00:28:18: Weil du erscheinst auch so eine sehr disziplinierte Person.

00:28:29: Also in bestimmten Bereichen bin ich sehr diszipliniert.

00:28:35: alles, was mir Freude und Spaß macht.

00:28:39: Und

00:28:41: das, was mir nicht so viel Freude und Spaß

00:28:43: macht,

00:28:45: kann ich auch

00:28:48: sehr gut verdrängen.

00:28:52: Ja.

00:28:54: Ja.

00:28:56: Ja.

00:28:59: Aber die Steuererklärung, die geht

00:29:01: zur rechten Zeit raus.

00:29:04: Ja, ja, das funktioniert.

00:29:07: Das funktioniert, aber wäre ich dafür alleine verantwortlich,

00:29:12: dann wäre das eine Nummer.

00:29:30: Wie wirkt dieses tägliche Sitzen

00:29:34: und wenn die Gelegenheit mal da ist, wenn ein bisschen Wartezeit da ist oder so,

00:29:39: und du erinnerst dich über den Tag mal, ein paar Minuten, zehn Minuten,

00:29:44: einfach in Stille da sein, wie wirkt das aus auf deinen Alltag,

00:29:51: wie wirkt das aus

00:29:53: auf den Sporttrainer, den Physiotherapeuten?

00:30:05: Ja, das, was ich glaube ich eben schon

00:30:08: beschrieben habe, also wirklich da zu sein

00:30:10: und präsent zu sein

00:30:11: und das

00:30:14: sowohl in der Familie

00:30:16: als auch am Kunden

00:30:18: oder Patienten

00:30:22: wirklich

00:30:26: zu spüren und zu hören

00:30:28: was derjenige gerade braucht,

00:30:34: damit es ihm besser geht.

00:30:49: Ja, auch das gelingt mir mal gut, mal weniger gut.

00:30:55: Aber mein Wunsch ist es eigentlich, wirklich voll beim Patienten zu sein,

00:31:02: wenn ich dann in der Behandlung bin oder an der Arbeit bin.

00:31:07: Und das eigentlich mit allen Sinnen und der vollen Aufmerksamkeit.

00:31:16: Ja, da hilft mir die Meditation ungemein.

00:31:29: Also da ist es dann schon so, dieses morgendliche Sitzen und ganz häufig auch

00:31:37: morgendliche Bewegen.

00:31:42: eine gute Vorbereitung, um in den Tag zu starten, aber auch während des Tages

00:31:54: nochmal den Reset-Knopf drücken zu können

00:32:00: und mittlerweile dann eben auch so weit zu sein, dass es nicht eine halbe

00:32:05: Stunde oder eine Stunde braucht,

00:32:07: sondern 15 Minuten braucht, um

00:32:12: nochmal den Reset-Knopf drücken zu können,

00:32:19: um wirklich wieder bei dem zu sein, was ich wirklich dann tue.

00:32:29: Hast du Tipps für Väter,

00:32:32: Eltern, die gerne morgens meditieren würden,

00:32:39: aber im Kopf läuft das Ding ab, das geht gar nicht, weil die Kinder hier rumlaufen

00:32:44: und das geht gar nicht, weil ich habe so viel zu tun.

00:32:49: Hast du praktische Tipps, wie man da durch die Schwierigkeiten kommt?

00:33:00: Also, ich glaube, grundsätzlich muss man die Einstellung dazu ändern, weil

00:33:12: wenn man das einmal wirklich möchte, wirklich möchte, ist dafür immer Platz.

00:33:21: Und das muss ja erst

00:33:23: gar nicht groß sein. Es reicht ja erstmal, klein anzufangen. Und wenn man dann

00:33:35: hin und wieder immer

00:33:38: mal einen etwas größeren Platz hat, wo man dann mal eine Stunde sitzt.

00:33:45: Grundsätzlich glaube ich,

00:33:48: dass es wichtig ist, dass man einfach irgendwie anfängt und nicht darüber

00:33:52: nachdenkt, habe ich

00:33:53: die Zeit dazu oder nicht? Ich glaube, jeder, egal wer, findet die Zeit dazu,

00:34:04: für sich etwas Gutes zu tun.

00:34:12: Und man muss, glaube ich, wirklich darüber nachdenken: Wo sind Zeitfenster,

00:34:16: die ich nutzen kann?

00:34:24: findet jeder irgendwo

00:34:30: Das ist ja ein Mehrwert und ein Gewinn für alle, die zu der Familie gehören. Und

00:34:46: ich habe ja auch nur klein angefangen.

00:34:53: Als ich Antje kennenlernte, hatte ich schon ein bisschen Meditationserfahrung.

00:35:00: und ich wusste für mich okay ist es muss noch was geben was was mich was mich

00:35:11: weiter bringt

00:35:13: die klarheit bringt und ich wusste dass es die meditation ist also tief in

00:35:21: meinem inneren und

00:35:26: ja, habe über Antje quasi

00:35:29: den Einstieg gefunden, aber das war dann auch klein.

00:35:32: Also das war, weiß ich nicht, zweimal in der Woche

00:35:37: eine Viertelstunde sitzen.

00:35:42: Und wenn man so anfängt

00:35:44: und sich dann mehr

00:35:49: mit diesem Thema auseinandersetzt,

00:35:52: merkt man wie groß der stellenwert sein kann und hat vielleicht auch gespürt

00:36:05: dafür dass es

00:36:09: dafür mehr gibt und dass man dafür mehr braucht und letztendlich bin ich dann

00:36:17: ja über das waren

00:36:18: drei tage darüber habe ich dann noch mal noch mal eine andere körperliche

00:36:24: erfahrung auch gemacht und

00:36:27: geistige Erfahrungen gemacht. Das ist dann ja ein laufender Prozess, und jedes

00:36:34: Retreat ist im Grunde

00:36:37: so, dass

00:36:41: das nochmal mehr dazu kommt.

00:36:49: Grundsätzlich glaube ich,

00:36:50: dass es eine Regelmäßigkeit braucht.

00:36:54: Aber

00:36:56: es muss erstmal nicht groß anfangen.

00:36:58: Man kann klein anfangen

00:37:00: und

00:37:03: dann, glaube ich, merkt man

00:37:06: im Laufe der Zeit, was für eine Kraft dahintersteckt.

00:37:15: Ja, die Kraft kann so antreibend werden. Das ist, denke ich, völlig klar.

00:37:26: Was sind die Erfolgsfaktoren?

00:37:29: Du hast dein Zeitfenster, in dem du sitzen kannst, und du freust dich schon

00:37:36: die ganze Woche:

00:37:37: Jetzt habe ich eine halbe Stunde, und da wird nichts passieren.

00:37:41: Und du hast dich irgendwo in ein Zimmerchen zurückgezogen, wo eigentlich

00:37:45: niemand dich findet.

00:37:46: Und du sitzt fünf Minuten und du merkst, dass du bei deinem Atem bist und die

00:37:50: Tür geht auf.

00:37:52: Und es fängt dein Kind an, über die Räume zu klettern.

00:37:56: Was sind dann die Erfolgsfaktoren, um trotzdem sitzen zu bleiben,

00:38:02: um dich trotzdem wieder hinzusetzen?

00:38:06: Was funktioniert da?

00:38:12: Weil ich treffe so viele Menschen, die sagen, ich kriege es einfach nicht unter.

00:38:16: Wann? Wie?

00:38:28: Für mich ist es die Einstellung zur Situation.

00:38:40: Natürlich macht das was mit mir.

00:38:55: Ich nehme die Situation so an, wie sie dann ist, aber auch das ist nicht immer

00:39:00: gleich.

00:39:01: Es tauchen auch dann Widerstände auf.

00:39:03: Aber ich glaube auch, dass wir das brauchen.

00:39:11: Das ist einfach Alltag und Leben.

00:39:20: Es ist sicher einfach, sich irgendwo hinzusetzen und einzuschließen

00:39:27: und zu sagen, ich höre und sehe nichts.

00:39:32: Und ich habe schöne Gefühle und mir geht es gut, aber das ist ja nicht das,

00:39:39: was mir im Alltag begegnet.

00:39:48: Und die Situation, die ich dann morgendlich habe, die taucht mir über den Tag,

00:39:54: verteilt ja immer wieder auf.

00:39:56: Und auch alles, das darf da sein.

00:40:05: Und alles macht auch was mit mir.

00:40:08: Und mal,

00:40:12: wenn ich es reflektiere, denke ich,

00:40:14: das habe ich gut gemeistert.

00:40:17: Und mal denke ich,

00:40:19: das hat unheimlich was in mir ausgelöst.

00:40:23: Aber auch das ist in Ordnung.

00:40:26: Das darf alles da sein.

00:40:29: Ich habe mich häufig auch schon

00:40:33: gegen Dinge gewehrt.

00:40:38: Es geht nicht immer gleich.

00:40:46: Dann bekommen die Kinder auch schon

00:40:48: was mal mit.

00:40:55: Es ist ganz unterschiedlich, aber im Grunde weiß ich, dass es da sein darf.

00:40:59: Das ist mein Leben, was ich mir auch so ausgesucht habe.

00:41:07: Was ist Wut und was hast du über Wut gelernt?

00:41:11: Und jetzt?

00:41:43: Ja, das ist einmal mit verschiedenen körperlichen Reaktionen verbunden.

00:42:06: Manchmal ist es auch gut, wenn sie einfach rauskommt, die Wut.

00:42:23: und manchmal ist es eben auch gut, wenn man sie wegatmen kann

00:42:28: und spüren kann, was da ist

00:42:44: und wie dann dieses Spannungsgefühl langsam wieder nachlässt.

00:42:53: Aber ich habe auch erfahren, dass es manchmal gut ist, es einfach rauszulassen.

00:43:04: Was hat die Zeit in Meditation, die jahrelange Erfahrung, die du da hast,

00:43:11: was hat das gemacht mit Wut in deinem Leben?

00:43:29: Also.

00:44:03: Also früher habe ich, glaube ich, häufig die Wut in mich hineingepressen.

00:44:16: Und das auch in keinster Form nach außen getragen.

00:44:20: Das habe ich dann mit mir selber ausgemacht.

00:44:27: und ich glaube über sport kompensiert

00:44:34: also was laufen ganz viel kompensiert

00:44:57: je nachdem wer und was

00:45:00: über Tränen und Emotionen

00:45:05: herausgebracht

00:45:12: mittlerweile ist es glaube ich schon so dass ich besser kommunizieren kann und

00:45:18: sagen kann was ich

00:45:19: brauche mir hilft und

00:45:36: und für alle anderen

00:45:40: auch in Ordnung ist.

00:45:48: Aber auch das gelingt mir nicht immer gleich gut, das denke ich auch normal.

00:45:55: Aber früher, glaube ich, habe ich es viel über Bewegung und Sport kompensiert,

00:46:08: ohne mit dem, der die Wut ausgelöst hat, zu besprechen.

00:46:19: Das ist ein Stück weit anders geworden.

00:46:30: Danke für deine Offenheit

00:46:34: und dein Hineinschauen

00:46:37: gibt es etwas

00:46:39: was du gerne

00:46:41: thematisieren möchtest

00:46:43: was du gerne

00:46:44: besprechen möchtest

00:47:06: Ich weiß nicht, ob das jetzt der passende Rahmen dafür ist.

00:47:11: Ich kann mal gucken, wie es mit dem Zeitrahmen ist.

00:47:17: Also, zehn Minuten haben wir.

00:47:24: Darüber haben wir auch schon kurz hier gesprochen.

00:47:28: Mich beschäftigt wirklich das, was in der Welt los ist.

00:47:32: Mhm.

00:48:07: Und ich bin wirklich ein freiheitsliebender Mensch.

00:48:16: Und ich bin immer daran interessiert,

00:48:21: dass es den Menschen gut geht.

00:48:28: Wenn ich in die Welt schaue,

00:48:35: macht es mich einfach traurig, was passiert.

00:48:53: Ja, dass Menschen sich gegenseitig bekämpfen, vielleicht auch gar nicht

00:49:00: wollen, trotzdem müssen.

00:49:10: Und ja, dass es ganz häufig einfach um

00:49:18: Profit und Gier geht

00:49:28: und gar nicht darum, wie es dem einzelnen Menschen auf der Welt geht.

00:49:41: Ich hatte mal die Einstellung, dass es eigentlich gar nicht sein könnte, dass

00:49:46: es so ist. Aber

00:49:49: je älter man wird und je mehr man sich mit bestimmten Themen auseinandersetzt,

00:49:59: merkt man eigentlich, dass es gar nicht darum geht, dass es den Menschen gut geht,

00:50:06: sondern einfach darum, dass es Menschen gibt, die ihren eigenen Profit sehen

00:50:21: und versuchen,

00:50:24: zu beeinflussen und damit Kriege entstehen und Unruhe entsteht in der Welt und

00:50:35: auch hier in Deutschland.

00:50:57: Ganz häufig fehlt auch im Kleinen die Toleranz untereinander.

00:51:09: Zu akzeptieren, dass jemand vielleicht eine andere Meinung hat, wie man selber hat.

00:51:20: dass wir das einfach scheinbar verlernt haben,

00:51:26: zu akzeptieren, dass es unterschiedliche Meinungen gibt und freundschaftlich

00:51:30: miteinander diskutieren kann.

00:51:39: Das scheint in Summe immer mehr zu werden. Zumindest gerade

00:51:50: beschäftigt mich das natürlich sehr, weil ich selbst freiheitsliebend bin und

00:51:56: eigentlich gerne frei in meiner Meinung bin und meinem Tun bin.

00:52:06: Und perspektivisch natürlich auch für

00:52:11: meine Kinder, wo ich mich frage,

00:52:15: wo geht das hier hin?

00:52:23: Wo ist die Diplomatie hin?

00:52:40: Ich frage mich,

00:52:42: was man aus dem, was vor zig Jahrzehnten gewesen ist, gelernt hat oder eben

00:52:52: nicht gelernt hat.

00:53:00: Und das, was ich auch eben schon gesagt habe, dass unschuldige Menschen für

00:53:04: irgendwas herhalten müssen,

00:53:06: dass andere Leute nicht in der Lage

00:53:11: sind, das auf den Weg zu bringen.

00:53:18: Und solche Leute repräsentieren dann eine Nation.

00:53:37: Für mich, ja.

00:53:39: Müssen wir alle sitzen und meditieren.

00:53:44: Ja, Sie sind herzlich eingeladen.

00:53:48: Ja.

00:53:53: Ja, es ist schon ein großes Ding, dass wir sitzen.

00:53:56: Ja.

00:53:58: Ja.

00:54:09: Ja, ich spüre, was du sagst.

00:54:11: Es ist verständlich, zugänglich.

00:54:17: Was ist für dich

00:54:19: eine Medizin, um damit umzugehen?

00:54:22: Was hilft dir,

00:54:25: um mit der Perspektive, die du jetzt aufgemacht hast,

00:54:29: um damit zu sein?

00:54:40: Dass du nicht untergehst in dieser dunklen Perspektive.

00:54:47: Was hilft dir, um hier nicht zu zerbrechen?

00:55:11: Also, trotz allem sehe ich immer noch schöne Dinge in meinem Leben.

00:55:18: Und ich bin dankbar dafür, dass wir zwei gesunde Kinder haben, als Familie

00:55:30: relativ gesund sind und gefühlt

00:55:35: für mich immer noch ein schönes Leben führen.

00:55:40: Ja, dafür bin ich dankbar, dass das da ist.

00:55:52: Also unabhängig von allem spüre ich immer noch

00:55:58: Dankbarkeit,

00:56:06: Liebe,

00:56:11: Vertrauen.

00:56:12: Vertrauen.

00:56:20: Das nehme ich mit, das Vertrauen.

00:56:26: Danke für die gemeinsame Zeit.

00:56:28: Sehr gerne.

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